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Sonntag, 12. Januar 2014

Willentlich

Ich kann nichts festhalten
Ohne das Klirren
Des zu Boden gefallenen zu fürchten

Ich kann nicht Ich sein
Ohne dich in mir
Werdend gesehen zu haben

Ich kann nicht in mir lassen
Ohne den prüfenden Blick
Des Verlassenen zu kennen

Ich kann nicht aus mir heraus
Ohne in fiebriger Ehrfurcht
Des Verliebten zu verharren

Ich kann nicht geduldig sein
Ohne die Worte eines
Wärmend Reinen zu erwarten

Ich kann nicht milde sein
Ohne für mich selbst 
Strenge walten zu lassen

Ich kann die Nacht nicht heilen
Ohne die Schmerzen
Des Vermögens zu erahnen



Copyright Al-Hub

Montag, 2. Dezember 2013

ZwischendenZeilen

Zwischen den Zeilen
Heißt einen Vers auszuhalten

Und dort weiter zu lesen
Wo andere aufhören

Zwischen den Zeilen
Heißt hinzuschauen
Und sich bemerkbar machen
Wenn alle anderen
Schlafen
Sich aufzurichten
Wenn alle anderen stehen

Zwischen den Zeilen
Heißt auf sanften Sohlen
Die Treppe zu besichtigen
Die unbetreten
Um sie dann vielleicht wieder
Zu verlassen

Zwischen den Zeilen
Heißt das zu spüren
Was zwischen uns steht
Den dritten Raum zu denken
Den dritten Bruder zu sehen
Eine Ebene
Zu kommunizieren 
Sich nicht auszunehmen
Das Genommene selbst 
Zu
Sein zusammen 

Zwischen den Zeilen
Heißt das Ungesagte hören
Im Gesagtem
Das Unbedachte im
Bedachten 
Ein weißes Zelt

Zwischen den Zeilen
Heißt nicht immer
Aber an diesen Tagen
Stehen zu bleiben
Um sich umzublicken
Nichtdazuzugehören
Nichtzuzuhören
Wenn alle reden
Im Keim zu ersticken

Zwischen den Zeilen
Heißt manchmal
Aber an den meisten Tagen
Nichts zu schreiben
Um alles zu sagen
Seinen Schal zu tragen
Um nach Ihm zu duften 
Zwischen den Zeilen
Ist nichts geringeres
Als die Vereinigung
Mit diesen
Wenn man sie liest
Dann
Wenn man sie nicht
Mehr überlesen 
Kann



Montag, 26. August 2013

Vertrauen wir Hegel?- Warum absolutes Misstrauen der Wegbereiter für eine neue Epoche der Entschiedenheit sein wird

Wir leben in einem Zeitalter, in dem der materielle Fortschritt einen noch nie dagewesenen Höhepunkt erreicht hat. World Wide Web, Smartphone, GPS, Lasertechnik und Co. determinieren unsere Gesellschaft. Wir rasen und rasen und können es uns nicht mehr vorstellen in einer Welt zu leben die anders funktioniert, ja, die anders strukturiert ist als die jetzige. Vielleicht werden Historiker irgendwann sagen: Das 21.Jahrhundert war ein ganz spezielles Jahrhundert – Bahnbrechend, revolutionär für unser heutiges Dasein. Vielleicht werden sie sogar sagen: Wir haben erst dann begonnen, die Technik dynamisch zu machen. Lebendig, mobil und vielversprechend. Wir waren dabei, als es begann.

Und dennoch ist ein statisch-anmutender Gefühlszustand prägend in der heutigen Zeit. Eine Mentalität, mit der wir alle konfrontiert sind und die den Wenigsten geheuer ist. Ich spreche, so provokant es erscheinen mag, von einer Eigenheit dieses Jahrhunderts. Ein Zustand, der unabdingbar mit der Brisanz des materiellen Fortschritts verknüpft ist. Ein Zustand, der in seiner Dominanz und Häufigkeit ein Grad erreicht und in seiner Erscheinungsform an Gewicht gewonnen hat, welches weder relativiert noch ignoriert werden kann. Es ist die Mentalität des absoluten Misstrauens. Wir können nicht mehr vertrauen. Misstrauen gepaart mit Lethargie. Kognitive Dissonanz. Das Ende des Anfangs.
Woran mache ich meine These fest? Und zu welchem Ergebnis kann sie führen? Ich könnte jetzt soziologisch argumentieren und durch das Kriterium der Empirie und Beobachtung meine Schlüsse ziehen, so wie Eva Illouz es in ihrem neu erschienen Buch „Warum Liebe weh tut“, versucht. Wir könnten sagen: Absolute Freiheit führt zu rücksichtsloser Liebe und zum Scheitern von Liebe - Fehlende Normen und Werte führen zum Verfall der Gesellschaft. So ginge es in etwa vereinfacht. Aber das möchte ich hier nicht tun. Ich werde auch nicht naturwissenschaftlich argumentieren - dass die körperliche Evolution des Menschen sein Optimum erreicht hat und die Evolution des Geistes unendlich ist, beispielsweise. Nein, das führt hier zu nichts. Bleiben wir bei der Logik. Bei der Philosophie. Der Erkenntnistheorie.


Wir haben es nämlich mit einer Polarität zu tun. Mit zwei Gegensätzen, die einander beeinflussen und eine Spannung verursachen, und nur wenn wir diese Polarität verstehen, können wir auch ihre Begleiterscheinungen einordnen und bewerten. Auf der einen Seite befinden wir uns im materialistischen Umbruch. Nennen wir zum Beispiel den steigenden Materialismus, als Heilsversprechen und Mittel zur Glückseligkeit, die sogenannte These nach Hegels Dialektik des Weltgeistes. Und nennen wir demnach die Spiritualität oder das Vertrauen zu Gott, als geistiges Heilsversprechen und Mittel zur Erlangung von Glückseligkeit, die Antithese nach Hegel. Das sind zwei Stadien der Erkenntnis, die eine Entwicklung der Vernunft bezwecken sollen. Das dritte Stadium ist die Synthese, eine Brücke zur Auflösung der Spannung.


Hegel ging davon aus, dass allein das Vernünftige lebensfähig bleibt und sich somit durchsetzen würde. Dabei ist das Unvernünftige jedoch von enormer Bedeutung, um die Entwicklung des Vernünftigen zu provozieren. Das heißt: Umso stärker die These, desto stärker die Antithese. Eine starke These ist somit das Beste was einer Idee passieren kann. Denn je energischer die These ist, desto stärker ist die Negation der Negation. Wenn ich an das „Sein“ nachdenke, muss ich unweigerlich auch an das „Nicht-Sein“ nachdenken. Eine solche dialektische Spannung kann nur aufgelöst werden durch das „Werden“. Anders angewendet: Die Stärke des materialistischen Heilsversprechen führt unweigerlich zu einem wachsenden Misstrauen gegenüber dem spirituellen Heilsversprechen. Die damit einhergehenden gesellschaftlichen Probleme provozieren dabei jedoch immer stärker eine Antithese: Die Sehnsucht nach Vertrauen, die Sehnsucht nach einer tiefergehenden, verborgenen Wahrheit. These und Antithese bedingen einander, die Vorstellung von Materialismus existiert nicht ohne die Vorstellung von Spiritualität, Misstrauen existiert nicht ohne die Idee des Vertrauens.


Haben wir erst einmal jene Realität erkannt, können wir entsprechende Schlussfolgerungen zur Synthese ziehen und Lösungsansätze benennen. Als Theologin wage ich die Herausforderung das erkenntnistheoretische Modell in einen neuen, islamrelevanten Kontext einzubetten.

Der Islam ist eine monotheistische Religion, das heißt tauhid, und damit die Lehre der Einheit und Ganzheitlichkeit des Wesen Gottes, steht im Mittelpunkt. Der Mensch, der die Idee der Einheit Gottes nicht verinnerlicht hat, wird im Koran als „Irrender“ bezeichnet. Jeder Zweifel, jede Spaltung, jedes Straucheln führt ergo zum Aber- oder Unglauben und damit zum Identitätsverlust der Seele. So heißt es in Sura 9, Vers 45: „(…) und in ihrem Zweifel schwanken sie.“ Das Irren der Schöpfung gleicht dem Zustand der Morgenröte [1]: es ist nicht Tag und nicht Nacht. Der Mensch befindet sich in gewisser Weise im Unklaren. Hazrat Mirza Ghulam Ahmad, Friede sei auf ihm, schrieb dazu treffend: „Es ist logisch, dass man eine Sache die man nicht kennt, nicht wertschätzt, nicht liebt; noch hat man Furcht vor ihr. Alle Arten der Liebe und Furcht entstehen nach der Erkenntnis.“[2]

Die Hölle des Irrenden ist somit ein labiler Zustand der Unentschiedenheit, Unvollständigkeit und Unbestimmtheit oder Unbeständigkeit. Er befindet sich in einem Stadium orientierungslosen Lechzens, wie es in der Sura Al-A´raf (7:177) heißt: „(…)Er gleicht daher einem Hunde: treibst du ihn fort, so lechzt er, und beachtest du ihn nicht, so lechzt er. Gerade so geht es Leuten, die Unsere Zeichen leugnen.“ Man könnte sagen, die Anerkennung von Polarität bildet hier die These nach Hegel und die Leugnung von Polarität bzw. von Ganzheitlichkeit bezeichnet die Antithese. Die Synthese wäre aus theologischer Sicht die Vereinigung beider Gegenstücke durch die Formulierung der Erkenntnis, dass Gott der Herrscher über jede Form von Polarität ist.


In der Sprache der Fachsemantik ausgedrückt, klingt es sehr schwerfällig. Dabei bezeichnet es im Grunde genommen einen spirituellen Pfad, der nicht in Worte zu fassen ist. Der muslimische Mystiker und Philosoph Jalauddin Rumi formulierte es so: „Hier ist eine Welt, und da ist eine Welt. Ich sitze auf der Türschwelle.“[3]  Die Schwelle ist somit eine Art Bindeglied oder Brücke zur Überwindung der Polaritäten. Der Islam als Weg der Mitte, führt zur Einswerdung mit Gott und damit zur Auflösung der Unvollständigkeit.[4] Eine Überwindung jeglicher Polarität kann dabei nur gewährleistet werden, indem Gott als Herrscher der Polaritäten angesehen wird. Schließlich ist Gott immer existent, egal ob es Tag ist oder Nacht. Allein die Wahrnehmungsfähigkeit des Menschen ist in der Finsternis eingeschränkt. Der Mensch ist jedoch in der Lage seine Sinne zu schärfen und Gott zu erkennen (Licht) oder seine Sinne abstumpfen zu lassen und Gott zu leugnen (Finsternis).


Wenn Hegel also recht behält, dann kann einzig und allein ein Islamverständnis überzeugend sein und an Einfluss gewinnen, das die Spannung der Polaritäten auflöst und den Weg der Mitte lehrt. Eine fanatische Lesart ist dadurch ebenso wenig erfolgversprechend, wie eine laxe Lesart der Modernisten. Es muss ein Islamverständnis sein, das eine lebendige Beziehung zu Gott propagiert und dennoch nicht völlig weltfremd erscheint.


Nicht ohne Grund prophezeite Max Heine schließlich nach der Lektüre von  Jean-Francois Lyotards Thesen der Postmoderne eine neue Epoche der Entschiedenheit und damit einen Ausbruch aus dem „unerträglichen Stillstand“ der heutigen Zeit:


Die Postmoderne ist widerlegt durch die Geschichte, durch den Fortschritt, durch die Eindeutigkeit und Originalität von Ideen. (…) Die neue Epoche ist geprägt durch den Ausbruch aus dem unerträglichen Stillstand der Postmoderne. Der Aufbruch ist unabdingbar, wenn der Westen auf die großen Veränderungen reagieren und angemessene Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit finden möchte. Antworten, die sich an moralischen und solidarischen Aspekten orientieren. (…) Die neue Epoche wird sich durch die Suche der Menschen nach Halt in einer sich verändernden Welt charakterisieren. Die Bedeutung des Identitätsstiftendem im Rahmen dieser Suche wird dabei  – als Gegenpol zum Individualismus – weiter zunehmen.“[5]


Ob es so sein wird? Wir werden sehen. Mein Vertrauen hat er bereits.

Copyright Al-Hub



[1] Vgl. Sura Al-Falaq

[2]Hazrat Mirza Ghulam Ahmad wird von vielen Muslimen als erwarteter Messias und Reformer der Endzeit angesehen. Das Zitat wurde aus dem Buch „Vortrag von Lahore“ entnommen (Frankfurt am Main 2011, S. 19-20)

[3] Vgl. http://www.ahmadiyya.de/islam/islamische-mystik/

[4] Vgl. auch den  interessanten Artikel http://www.huffingtonpost.com/craig-considine/rumi-and-emerson_b_3748667.html?utm_hp_ref=tw

[5] Vgl. http://le-bohemien.net/2013/02/25/die-postmoderne-ist-tot/

Samstag, 25. Mai 2013

Über die Vermessung der Wirklichkeit Gottes und die Angst vor der Freiheit

Die Postmoderne zeichnet sich dadurch aus, dass der Mensch seine Wirklichkeit fassbar machen möchte, kontrollierbar, messbar und damit transparent. Damit dünkt er sich sicher; er glaubt zu wissen, was Produkt und wer Hersteller ist,  was Risiko und was Sicherheit ist; denn es ist ja faktisch evident, materiell und damit sichtbar. Doch inmitten dieser Angst oder Skepsis vor einer unbegreiflichen Wirklichkeit, dringt subtil die Angst vor der Freiheit hindurch. Es ist paradox: Ein Jeder will frei sein. Freiheit ist das Lieblingswort des modernen Menschen; wo Freiheit ist, ist Unabhängigkeit, wo Freiheit ist, ist Glückseligkeit, heißt es. Doch wenn der Mensch so frei sein möchte: Warum möchte er alles fassbar haben, materiell, sichtbar, kontrollierbar und damit in der Hand? Warum möchte er sich ständig mit seiner Umgebung vergleichen, diese bedrängen und triumphieren? Khalil Gibran schrieb dazu einst beinah ein wenig verärgert: „Wenn es ungerechtes Gesetz ist, das ihr abschaffen wollt, dann habt ihr es mit eigener Hand auf eure Stirn geschrieben. Ihr könnt es nicht auslöschen, indem ihr eure Gesetzesbücher verbrennt, oder die Stirn eurer Richter wascht, und wenn ihr das Meer darauf gießt. Und wenn es ein Despot ist, den ihr vom Thron stürzen wollt, seht zu, dass sein Thron zerstört wird, den ihr in euch errichtet habt(…) Ist es eine Furcht, die ihr vertreiben wollt, so vergesst nicht, dass sie in eurem Herzen wohnt und nicht in der Hand des Gefürchteten liegt.“[1]
 

Der Mensch ist besitzergreifend. Besitzergreifung und Freiheit passen schwer zusammen. Genauso wie es unmöglich ist, etwas zu kontrollieren, das sich dem eigenen Kontrollsystem entzieht. Alles was wir fordern; Messbarkeit, Transparenz und Sichtbarkeit; setzt Unfreiheit voraus. Einige mögen hier einwenden, dass die gewollte Unfreiheit wiederum eine Form der Freiheit sei. Und natürlich ist es nur allzu logisch, dass, „kein Einzelner jemals dazu bereit sein wird, seine Unabhängigkeit zu opfern, außer im Wissen darum, dass er durch dieses Handeln mehr erreicht, als er aufgegeben hat.“[2] Aber es geht hier nicht primär um die Frage, ob der Mensch unfrei ist oder nicht. Sondern vielmehr darum, ob er sich seiner möglichen Freiheit oder Unfreiheit bewusst ist und damit im Wesentlichen, inwiefern der Mensch frei sein kann und an welche Bedingungen dieser erweiterte Freiheitsbegriff geknüpft ist. Die mangelnde Reflexion über die potenzielle Freiheit des Geistes führt nämlich dazu, dass die Ursache für inneren und äußeren Unfrieden nicht behoben wird. Solange der Mensch nicht erkennt, was oftmals der eigentliche Antrieb seines Handels ist, nämlich die Angst vor dem eigenen Makel, die Angst vor dem Kontrollverlust und damit die Angst vor dem Tod seines Egoismus, bleibt er in einem gefährlichen defensiven Zustand und entwickelt sich geistig nicht mehr weiter.

Doch was schrieb Khalil Gibran noch, als er den Menschen zur Mündigkeit und Konfrontation mit dem Auslöser des Unfriedens auf der Welt aufforderte? Schien er zunächst verärgert, so appelliert er nun offensichtlich gefasst an das Freiheit-Potenzial im Menschen:



„Und was sind es anders als Teile eures eigenen Ichs, die ihr ablegen wollt, um frei zu werden?“


Es ist möglich jenen Schritt zur Erlangung geistiger Freiheit zu wagen. Schließlich hat nur derjenige, der die Idee der Freiheit nicht fürchtet, auch keine Skepsis vor Gott. Gott als nicht-fassbar und unsichtbar zu erkennen, heißt zugleich, Ihn als frei zu erkennen. Den Gedanken an Gotteserfahrung und Mystik zuzulassen, bedeutet die Freiheit des Geistes und die Freiheit per se zuzulassen. All jene, die sich voller Skepsis gegen Gott stellen, haben auch hier erneut in Wirklichkeit Angst vor dem Unfassbaren, dem Kontrollverlust und damit Angst vor der eigenen Unzulänglichkeit. Hinzu kommt der größte Denkfehler des Menschen; der darin besteht, dass er seine Wirklichkeit, und damit verbunden, seine Kategorien des Seins (die Gebundenheit an Körper, Raum und Zeit) auf die Wirklichkeit Gottes überträgt. Wir selbst kommen nicht ohne die Benennung und Konstruktion von Regeln, Kategorien und Bezugssystemen aus. Doch die Wirklichkeit Gottes ist nur durch den Geist erfahrbar; jedes Wort über Gott bleibt der Versuch einer Annäherung, jeder Versuch Gott in seiner Gänze zu erfassen, muss scheitern. Der Heilige Quran ist durchdrungen von dieser mystischen Dimension und Metaphorik der Wirklichkeit Gottes. Im Vers 6:104 wird diese unergründbare Mehrdimensionalität der göttlichen Wirklichkeit durch die Symbolik des Blickes; der Wahrnehmungsfähigkeit der Augen; versinnbildlicht:



„Blicke können Ihn nicht erreichen, Er aber erreicht die Blicke. Und Er ist der Gütige (auch der Unergründliche [3]), der Allkundige.“ (6:104)


In Anbetracht der Komplexität und Verborgenheit der Wirklichkeit Gottes, könnte die Frage gestellt werden, inwiefern der noch unwissende und nicht-spirituell seiende Mensch, in der Lage ist Gott zu erkennen. Dabei gilt im Quran die sichtbare Wirklichkeit als eine symbolische Manifestation der unsichtbaren Wirklichkeit Gottes, da diese sichtbare Wirklichkeit eine erkennbare, in sich schlüssige und komplexe Struktur besitzt, die einer höheren Maßgebung (Gott) bedarf. Die Wirkung Gottes auf der Welt ist somit für Jeden unmittelbar sichtbar und damit ist es auch Gott in gewisser Weise selbst. Aus diesem Grunde nennt sich Gott selbst auch „a-āhir“ – Der Sichtbare. Im Kontext des Verses 57:4 im Heiligen Quran heißt es darüber: „Er ist der Erste und der Letzte, der Sichtbare und der Verborgene, und Er ist der Wisser aller Dinge.“


Dennoch sollte das Potenzial des menschlichen Geistes und damit die bestmögliche Weiterentwicklung des Seins nicht beiseite geschoben und als kaum erreichbar relativiert werden. Es gibt Menschen, die es tatsächlich schaffen nach einer geistigen Entwicklung und dem Ǧihād [4] gegen ihr Nafs[5] sich von sich selbst und damit von jener Angst vor der (unsichtbaren und sichtbaren) Wirklichkeit zu befreien. Jene Menschen verlieren sich in Gott, sie haben keine Angst mehr vor jeder Art von Raum, Zeit und Körper. Sie sind zufrieden in der Zufriedenheit Gottes. Und sie versuchen erst gar nicht die Welt vollkommen zu bemessen, denn wie vermessen wäre es die Komplexität der Wirklichkeit auf Zahlen zu reduzieren und damit als solche zu ernennen? Die Vermessung der Welt ist es, die in der Tat vermessen ist.





[1] Vgl. Khalil Gibran: Der Prophet, Düsseldorf 2005. Siehe Kapitel „Von der Freiheit“

[2] Vgl. Hazrat Mirza Tahir Ahmad: Revelation, Rationality, Knowledge and Truth, London 1998. Siehe Kapitel „Individuum contra Gesellschaft“

[3] Vgl. In der englischen Koranübersetzung der Ahmadiyya Muslim Jamaat wird das arabische Wort Al-Khabīr mit „The Incomprehensible“ übersetzt. Vgl. auch Arabisch-Wörterbuch Lane, unter khabb.

[4] Arabisch für „große Anstrengung“


[5] Arabisch für „Selbst


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Samstag, 18. Mai 2013

Through the mirror - Das letzte Geheimnis zwischen den Menschen

Die Faszination, die von einem Spiegel ausgeht, wird unterschätzt. Beobachtet man einmal den gemeinen und, was auch immer das sein mag, ungemeinen Menschen und seinen Drang sich selbst zu inspizieren, ist es so, als würde die Zeit still stehen. Der sich abmühende Blick schwelgt, egal ob jener in Eile ist oder in Trance, sein Gönner sich modisch oder unmodisch  kleidet und eitel oder demütig ist.  Die Symbolik dahinter ist die Symbolik der (An-)Erkennung des Anderen, wir sehen uns selbst so, wie wir meinen von anderen gesehen zu werden und fragen dabei, ob uns jene erkennen, wie wir meinen und selbst erkennen zu würden. Die Frage hierbei ist nicht wer ich bin, sondern wer ich sein kann. Zeit und Raum sind überfüllt von solchen Fragen. Fragen des Hinterfragens von Selbst-und Fremdwahrnehmung, Subjekt- und Objektwerdung. Wir steigen ein in Verhaltensmuster, verlieren uns in Rollen, sind ganz wir selbst und wissen selbst nicht so genau, wie wir eigentlich wirken. 

Das Wirkungspotenzial unseres Selbst ist für das Selbst ein Rätsel, für den Anderen ist es ein oft unbewusstes Verarbeiten von Reizen, nichts anderes als Konsum. Ja, der Mensch konsumiert sich andauernd selbst. Er kategorisiert und ordnet, die Stimme, das Aussehen, die Perspektive: Den Menschen. Dieses Konsumieren des Menschen, des Bildes oder eben jenes Urteils, das wir uns bilden oder das für uns gebildet wird, scheint erst durchbrochen, wenn wir in den Spiegel schauen. Wir zweifeln, sind skeptisch, wir reflektieren.[1] Doch der Spiegel des Anderen bleibt uns fern, es ist unser Bild, das wir auseinandernehmen, und nach Maßstäben prüfen, die möglicherweise absurd sind und sich jeder Legitimation entziehen. Aber immerhin hören wir auf zu konsumieren. Wir halten inne vor dem Spiegel. Der Blick in den Spiegel ist immer still und einsam. Er ist oft ein wenig bedrohlich, sich selbst ungenügsam.

Das Konsumieren des Anderen wird jedoch erst durchbrochen, wenn wir uns in seine Welt hineingeben. Wenn dieser Andere unsere Kategorien ins Schwanken geraten lässt und uns überrascht. Wenn Name und Bild nicht zusammen zu passen scheinen, Kleidung und Verhalten sich in die Quere kommen, dann inspizieren wir auch das Selbst das Anderen, indem wir es nicht bloß konsumieren, sondern  auflösen und damit kennen lernen. Aber auch da wird es eine Grenze geben, die wir nicht durchbrechen können. Bis zu einem gewissen Grade bleiben wir uns auf ewig fremd. Das ist und bleibt das letzte Geheimnis zwischen den Menschen.





[1] Ähnlich verhält es sich mit der Symbolik der Verschleierung. Der Schleier reflektiere und transzendiere nach David E. Wellbery die „Grenze zwischen Beobachtung und Beobachtetem, Meta-und Objektsprache.“ (Vgl. Endres/ Wittmann, Wolf: Ikonologie des Zwischenraums, München 2005, S.59.) Ausgehend von dieser Definition ist die Verschleierung eine Art Metapher für einen Spiegel. Ähnlich deutet Endres den Schleier, demnach dieser als Spiegel das falsche Bewusstsein dessen zurück werfe, der seinen Blick auf ihn richte.(Vgl. ebd. Endres/ Wittmann, Wolf, S.3.) Der Schleier stiftet Identität, indem er die Identität des Beobachters herausfordert und indem er zur Reflexion des Selbst anregt.


Copyright Al-Hub

Sonntag, 28. April 2013


AHADITH DES TAGES
Der Prophet (saw) sagt: “Als Allah die Lebewesen erschuf, schrieb Er in Sein Buch, das bei Ihm auf Seinem Thron ist: Meine Barmherzigkeit ist größer als Mein Zorn.”
(nach Abu Huraira; Buckari; Muslim und Tirmidhi)
Das Wagnis in der Liebe ist, die Schwächen des anderen ebenso zu lieben wie seine Stärken, beide gehören untrennbar zusammen...
Der Prophet(saw) berichtet, dass Allah (swt) sagt:
“Die Geschichte von Mir und den Menschen und den Dschinn ist erstaunlich:
Ich erschaffe und ein anderer wird angebetet.
Ich gebe, und einem anderen wird gedankt.
Ich sende das Gute von Mir meinen Dienern herab und ihre Bösartigkeit steigt zu Mir herauf.
Ich neige Mich ihnen mit Meiner Gnade zu und bedarf ihrer nicht, und sie entfernen sich von Mir mit ihren Sünden, und sind doch auf keinen außer Mich angewiesen.
Die Leute, die Mir gedenken, sind die Leute, die bei Mir sitzen, wer also bei Mir sitzen will, der soll Mir gedenken.
Die Leute, die Mir gehorsam sind, sind die Leute Meiner Liebe, und die Leute, die Mir ungehorsam sind, lasse Ich die Hoffnung auf Meine Gnade nicht aufgeben.
Wenn sie bereuen, dann bin Ich ihr Geliebter und wenn sie nicht bereuen, dann bin Ich ihr Heiler.
Ich prüfe sie mit Belastungen, damit Ich sie von ihren Fehlern reinige.
Eine gute Tat ist bei Mir zehnmal so viel wert und vermehre ihren Wert, und eine schlechte Tat zählt wie sie ist, und Ich verzeihe.
Bei Meiner Erhabenheit, wenn sie die Tat bereuen, dann verzeihe Ich ihnen.
Wer von ihnen Mir mit Reue entgegenkommt, den erwarte Ich schon von weit weg, und wer sich von Mir abwendet, den rufe Ich von ganz nah: “Wo gehst du hin? Hast Du einen anderen Gott außer Mir?’”
Quelle Unknown

Mittwoch, 24. April 2013

Was ich bin - Eine Fortsetzung

Sie stand auf, nahm den Papiervogel in die Hand und entzifferte mit ein wenig Mühe die Botschaft eines Fremden. „Lass dich nur in keiner Zeit/Zum Widerspruch verleiten/Weise fallen in Unwissenheit/Wenn sie mit Unwissenden streiten“  Wer war dieser Fremde? Das Publikum verstand nicht so recht, was hier vor sich ging. Weshalb sie sich nicht bewegte, einfach still da stand und schwieg. Und es passierte wie von selbst; sie hatte es geahnt. Wenn wir erschöpft sind und unser Körper nicht mehr kann, dann öffnen wir unser Herz. Wir öffnen es, um es danach wieder so fest zu verschließen, bis ein Teil darin verloren geht.


pardesi pardesi jaana nahi

Fremder, Fremder, geh nicht
mujhe chhodke mujhe chhodke

Lass mich nicht zurück, lass mich nicht  zurück
pardesi pardesi jaana nahi

Fremder, Fremder, geh nicht
mujhe chhodke mujhe chhodke

Lass mich nicht zurück, lass mich nicht  zurück
pardesi mere yaara vada nibhaana

Fremder, mein Freund, halte dein Versprechen
mujhe yaad rakhna kahin bhool na jaana

Behalte mich in Erinnerung und vergesse mich nie


In ihr ist es nun unglaublich still geworden. Vielleicht war es ein Zustand der Ohnmacht. Aber vor ihrem inneren Auge ertönte skurillerweise ein altes indisches Lied aus dem Film Raja Hindustani, das sie beinah vergessen hatte. Als ob das vergangene Ich ihrem heutigen Selbst etwas zu sagen hatte. Das überall fremde; das hin und hergerissene Selbst. Es sprach. Nein, es sprach nicht, es sang.



Aaye ho meri zindagi mein tum bahaar banke

Du bist in mein Leben gekommen wie der Frühling
phoolon ke mausam mein milne aate hai

Du bist gekommen, um mich in der Zeit der Blumen zu treffen
patjhad mein panchhi bankar udjaate hai

Und wenn die Blätter fallen, wirst du zu einem Vogel und fliegst davon
hansti aankhon ko aansu de jaate hai

Aus lachenden Augen kommen nun Tränen
vaada karke bhi na vaapas aate hai

Du wirst nicht zurückkommen, selbst wenn du es versprechen würdest
pardesi mere yaara guzara zamaana

Fremder, mein Freund, die Jahreszeit ist vorbei
use yaad rakhna kahin bhuul na jaana

Behalte dies in Erinnerung, vergiss es nie!


Sie schaute sich alle so gut wie sie konnte an. Jeden Einzelnen. Wie sie bloß da stand. Das Ich. Klein und zerbrechlich, wie ein Streichholz. Die Anderen waren nicht anders; wie sie auf sie starrten, in kindlicher Erwartung auf ein loderndes Feuer. Lauter winzige Streichölzer. Feuer, Feuer, Feuer. Wir wollen es brennen sehen. 

Nicht länger wartend; nicht länger erwartend, nahm sie das Mikrophon in die Hand. Sie war es sich selbst schuldig. Laut und nüchtern, ja, in einem beinah abgeklärten Tonfall, der eher an Kapitulation erinnerte als an Performance, sagte sie plötzlich: WER SEIN EGO ZURÜCKSTECKT VERDIENT DIE MEISTE ANERKENNUNG. UND DOCH ERHÄLT ER DIE GERINGSTE. 

Es brannte. Und wie.


Wenn auch alles andere scheitert, meine Liebe, wir scheitern mit.
Wenn auch alles andere scheitert, unsere Liebe tut es nicht. 

Copyright Al-Hub

Montag, 22. April 2013

EIN GRANATAPFELHAUS – in Anlehnung an Oscar Wilde

Sie stand inmitten ihres Meisterwerkes: Ein Haus aus Granatäpfeln. Eine Sekunde lang überlegte sie, warum es so wenige Wörter gab die mit Ä anfingen, obwohl Wörter mit Ä nicht nur schöner klangen, sondern auch schöner aussahen. Generell waren ihre diese süßen kleinen Pünktchen auf dem Ä wie eine Zierde für die gesamte Buchstaben-Industrie. Dann, weniger als eine Sekunde, kam ihr die Türkei in den Sinn, vermutlich weil Türken mit den Pünktchen spielen und sich damit schmücken, wie die Deutschen es hätten tun sollen. Sprache. Was ist Sprache ?


Ä.: Verstehen Sie unsere Sprache?

A: Nicht alles, aber das Wichtigste.

Ä: Wie können Sie wissen was wichtig ist, wenn Sie nicht alles verstehen?

A: Ähm…


Sprache kann überwältigend sein, wenn man sie vollkommen begreift.


Aber nicht abschweifen. Da stand sie nun inmitten ihres Werkes: Überall roch es nach Granatäpfeln oder frischem Granatapfelkuchen, aber es würde nicht viel länger dauern (so ihre Befürchtung) da käme der ganze wohlwollende Geruch einem Schimmelpilz gleich; nachdem die Gärung eingetroffen und darüber hinaus Zeit vergangen wäre. Obwohl Granatäpfel zu jener Zeit als Mangelware galten, wurden sie von der Mehrheit nicht wertgeschätzt, wurden sie nicht als Mangel begriffen.


In dieser Welt aus purem Zucker fragt dich niemand nach Granatäpfeln. Jeder weiß, dass es wenige von ihnen an diesem Ort gibt, aber sie würden sie eher verkennen und verspotten, als sie zu begreifen und anzunehmen. Noch nicht einmal die Ästhetik stach ins Auge. Die Kunst des Verlassenen.


Also stand sie immer noch da,  inmitten ihres Werkes, und schwieg.

Quelle Unknown

Samstag, 20. April 2013

ZITAT DES TAGES: The Philosophy of Islamic Prayer from Mirza Ghulam Ahmad (as)

"Acceptance of prayer is proved by valid instances as part of the law of nature and God sets up living models in every age. That is why He has taught the prayer: Guide us along the straight path, the path of those on whom Thou hast bestowed Thy favors. This is the design and law of God and no one can alter it. Guide us along the straight path is a supplication for perfection in conduct. In form this is a direction to seek guidance to the straight path, but it is preceded by: We worship Thee alone and beg Thy help. This indicates that we must use our natural capacities for treading along the straight path and seek Divine help in the process. Therefore, appropriate available means must be employed. On who neglects this is guilty of ingratitude in respect of God's bounties.

Consider, if the tongue that God the Sublime has bestowed on us, made up of nerves and muscles, was not equipped with it! s capacities, we would not have been capable of speech. He granted us a tongue that can express the thoughts and designs of the mind for the purposes of prayer. If we do not employ the tongue for supplication, it would be our great misfortune. There are so many ailments any of which could instantly stop its functioning.

Similarly, He has equipped the mind with the qualities of humility and lowliness and the faculties of contemplation and reflection. Be mindful, then, that if we fail to use these powers and faculties, our prayer is vain. If we do not use the gifts we possess, how can we supplicate for more? That is why: We worship Thee alone, precedes: Guide us along the straight path. This is an affirmation that we have not left unemployed and stultified the gifts and faculties that Allah has granted us." ( in: Ahmadiyya Gazette, September 1994. Original: Al-Hakam, Dec. 10, 1901) 


The Promised Messiah Hazrat Mirza Ghulam Ahmad (as), Quelle Ahmadiyya.de