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Montag, 16. Dezember 2013

German Schlagabtausch

Der Prüfer schweigt während der Prüfung seines Prüflings. Herauszufinden, was er prüft und wie er spricht, schadet aber nicht.

Man konnte seine Wirkung nie gänzlich verfehlen. Es mag massig Missverständnisse geben auf dieser weiten Hemisphäre, vier Botschaften einer Nachricht und lauter Nonsens, kleinkarierte Cartoons im Großformat und liebevolle verhunzte Versionen einer Vision. Aber der ursprünglich beabsichtigte Sinn und Zweck bleibt selten völlig verborgen. Also lässt du nichts unversucht. Selbst wenn dir die Personifizierung der Ignoranz selbst den Rücken kehrt, du würdest weiter so fortfahren wie zuletzt. Du würdest ihr begegnen und ihr direkt und unverfangen in die Augen schauen. Es ist ein Ausdruck ihrer Identität, dass sie dich leugnet. Sie wies wie immer deinen Blick ab, sah weg. Aber das war dir egal. Du würdest nicht wegschauen. Ganz im Gegenteil: noch inniger, noch dreister, noch konzentrierter. Geradeaus, straightforward. Beinahe stur. Vielleicht penetrant. 

Nur...was sollte es schon ändern, würde sie dich kurz anschauen? Wenn sie nicht hinsehen möchte, lass sie einfach sein, lass sie, wie sie ist- Selbstgefällig im Alleingang. Lüge bleibt Lüge, auch wenn man ihr die Schlagader durchtrennt.  

Und doch konnte sie es nicht. Ihren eigenen kühlen Atem spüren und das mechanische Herzklopfen der Anderen, die Unruhe im Nachbarn und den Frieden in ihr. Wie könnte sie das tun? Nicht hinzuschauen, nur weil der Andere wegschaute? Du kannst deine Wirkung nicht gänzlich voraussehen, Ignoranz. Es gibt immer etwas größeres, das hinter dir steht. Nicht zu fragen, weil der Andere nicht antwortete, nichts anzubieten, weil der Andere zu stolz war, es anzunehmen. Das hieße: nicht zu lieben, weil der Andere deine Liebe nicht erwidert. Aber du kannst mir nicht verbieten dich zu lieben. Du kannst mir nicht verbieten dich anzureden, selbst wenn es dir missfällt. Mach was du willst, schlag mir ins Gesicht. Es gibt immer einen Schlag, der dich selbst stärker verletzen wird, als deinen Gegner. Response needs no response. But no response needs response. Wahrheit bleibt Wahrheit, auch wenn man ihr die Schlagader durchtrennt. Du möchtest ihre Augen treffen. Möchtest das durchdringen, was für immer den Rückzug angekündigt hat? Was war das für ein Blick in dir? Muss da nicht einiges schief gelaufen sein, dass diese Nähe bedrohlicher zu sein scheint, als der Anblick eines verruchten Banditen? Und sogar dieser wird nicht bloß gemieden, sondern gejagt und verhört. 

Identität ist nicht nur das, was jetzt ist. Identität ist nicht aktual. Du bist heute, auch morgen- Das was du sein kannst. Du bleibst du, auch wenn du alt wirst. Das Potenzial deines Wesens kannst du nicht kennen. Du darfst es nicht kennen. Sonst würdest du erschrecken.

Sie war bestimmt unglaublich dreist und absolut weltfremd. Unglaublich naiv und total besessen. Aber eines war ihr klar. Wenn auch zu viel Nähe Angst machen kann - keine Nähe macht Lügen.

 
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Samstag, 19. Oktober 2013

Willkommen in meiner Parallelwelt!


Stell dir vor, du kommst aus einer gut-situierten deutschen mittelständischen Familie, studierst Islamwissenschaften oder was ähnlich exotisch Anmaßendes, besuchst von Zeit zu Zeit bildungsaffine Studienzirkel und Tagungen, reist gelegentlich im Rahmen einer Exkursion ins Ausland oder in eine neue Stadt und beherrschst neben deiner Muttersprache Grundlegendes einiger Fremdsprachen, wie Arabisch und Urdu. Wunderbar, nicht wahr? Die Gesellschaft erfreut sich deines Lebensweges, du wirst als Kosmopolit wahrgenommen, als open minded, als mündiges Individuum, das die Gesellschaft positiv mitgestalten und bereichern will. Du bist relevant. Und jetzt machen wir mal einen Bruch.


Du bist irrelevant.


Du bist dieselbe Person, kommst aber aus einer Familie mit Migrationshintergrund, hast mindestens vier bis fünf Geschwister, musst darauf achten, dass du deinen Eltern nicht zur Last fällst, herausfinden welcher Arbeitgeber dich mit Kopftuch nimmt und dich rechtfertigen, warum du etwas mit Religion studierst (da du das Klischee a priori erfüllst und nichts Nützliches werden kannst). Deine Fremdsprachen werden als Muttersprachen wahrgenommen; wenn es sein muss als nett, aber überflüssig. Deine Selbstentfaltung gilt als bloßer Konformismus, deine Präsenz in der Öffentlichkeit als Provokation und dein Engagement als obligatorisches politisches Statement, zur Abgrenzung von Fanatismus oder der religiösen Unterwanderung des deutschen Rechtsstaats.


Du bist, überspitzt, in erster Linie funktional. Was zählt ist nicht dein Wert, sondern dein Mehrwert. Du musst nützlich sein und ob du nützlich bist, bestimmst nicht du selbst, sondern jemand Anderes. Die Gesellschaft zum Beispiel. Oder dein Arbeitgeber.


Erst kürzlich duftest du, Variante Nummer 2. deines Selbst, bei einem irischen, migranten- und kopftuchfreundlichen Modeunternehmen, aushelfen. Hier ist es sogar egal ob du Deutsch sprichst, Englisch reicht aus. Damit das Unternehmen Kosten spart, zahlt es keine Berufskleidung. Du trägst deine eigene unfreiwillige Uniform, von Kopf bis Fuß schwarz. Zusammen mit anderen ausländischen Studenten arbeitest du als Teil eines "Blitzteams" in verschiedenen Abteilungen. Du faltest und sotierst beinahe ununterbrochen billige Kleidung, wahrscheinlich Kinderarbeit, die immer wieder von den Kunden auf den Boden geschmissen wird. Acht Stunden lang. Eine Gabe ist eine Aufgabe, schrieb Käthe Kollwitz. Nur was ist, wenn deine Gabe nicht deine Aufgabe bestimmt, sondern deine Aufgabe deine Gabe?


Wenn du nicht gründlich genug arbeitest, bekommst du es nämlich mit der bösen Fratze des Kapitalismus zu tun. Früher schien sie fast ausschließlich männlich. Heute ist es eine Frau, die dich anmahnt: „Es geht uns nur um die Zahl. Ihr seid austauschbar. Wenn ihr nicht schnell genug arbeitet, gibt es genug andere Leute, die eure Arbeit übernehmen können!“


Doch so schwarz gekleidet können wir dich nicht stehen lassen, Variante 2. deines Selbst. Du bist immer noch dieselbe Person. Du besuchst eine religionsphilosophische Tagung über das Spannungsverhältnis von Vernunft und Glaube im Rahmen deines Studiums und siehst, wie eine wildfremde Frau auf dich zu läuft „Freut mich riesig, hier auch einmal eine Kopftuchfrau zu sehen! Ich hab mich schon immer gefragt, warum die nicht kommen! Schön Sie zu sehen! Ich freu mich so Sie zu sehen, dass ich Sie unbedingt umarmen möchte!“ und Wusch! beginnt sie dich zu umarmen. Nun denn, als der Professor ein wenig später über die Freiheit des Wesen Gottes referiert und Probleme damit hat, diese mit der Güte Gottes zu vereinen („Wie kann Gott frei sein, wenn er nicht anders denn gut handeln kann?“) meldest du dich zu Wort, während die Anderen schweigen. Du erzählst, dass der Gott im Koran sich selbst Barmherzigkeit vorschreibt, frei entscheidend, und löst die Spannung auf. Der Dozent ist überrascht: „Das steht im Koran?“. Mehrere Tagungsteilnehmer sprechen dich im Laufe der Tagung an, dass sie sich freuen, dich, eine Muslimin zu sehen. Jemand beneidet die Leidenschaft der Muslime für den Glauben.  Die Christen seien feige geworden und lasch in ihren Statements gegen die gefährlichen Ausprägungen des Zeitgeistes. Muslime sind mutig? Muslime sind leidenschaftlich? Das Du beginnt.


Du lobst einen Vortrag zur analytischen Religionsphilosophie und wirst indirekt kritisiert: „Wenn ich richtig informiert bin, ist es im Islam verboten seine Religion zu hinterfragen.“ Du antwortest „Da sind Sie aber falsch informiert.“ und siehst wie sie beschämend zurückschreckt und die Medien verantwortlich macht.  Plötzlich wirst du fortwährend als Expertin für den Islam zu Rate gezogen. Der Dozent schaut dich an und sagt: „ Früher haben die Christen Muslime und Juden als Gesprächspartner nicht ernst genommen, aber endlich sind wir soweit, dass wir voneinander lernen können. Ich habe zum Beispiel von Ihnen gelernt.“ Er bedankt sich bei dir. Das hast du gerne gemacht! Wirklich!


Willkommen und Wasalam. Du bist und bist es nicht. In deiner Welt.

Sprich: „O Volk der Schrift (Bibel), kommt herbei zu einem Wort, das gleich ist zwischen uns und euch: dass wir keinen anbeten denn Allah und dass wir Ihm keinen Nebenbuhler zur Seite stellen und dass nicht die einen unter uns die anderen zu Herren nehmen statt Allah.“ Doch wenn sie sich abkehren, dann sprecht: „Bezeugt, dass wir uns (Gott) ergeben haben.“ (3:65)

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Samstag, 28. September 2013

Projektstart - Workshops für Schulklassen

Workshops für Schulklassen zur Prävention von Zwangsverheiratungen und Gewalt im Namen der Ehre. Initiiert von der Lajna Imaillah Frankfurt (Frauenorganisation der Ahmadiyya Muslim Jamaat KdöR) und dem Jugendmigrationsdienst des Caritasverbandes Frankfurt e.V. Ab sofort buchbar!


Dienstag, 18. Juni 2013

"O die ihr glaubt, antwortet Allah und dem Gesandten, wenn er euch ruft, auf dass er euch Leben gebe, und wisset, dass Allah zwischen einen Menschen und sein Herz tritt, und dass zu Ihm ihr werdet versammelt werden." Der Heilige Quran 8:25

Donnerstag, 6. Juni 2013

Für Nullchecker
Ein Imam geht im Wald spazieren und gerät ins Moor. Er versinkt im Morast und betet zu Allah: "Allah, hilf mir, sonst gehe ich unter." Es kommt ein Spaziergänger, sieht den Imam und will ihm helfen, doch der winkt ab: "Allah wird mir helfen."
Als nächstes kommt ein Wanderer, bietet dem Imam seine Hand um diesen rauszuziehen, aber der winkt wieder ab: "Allah wird mit helfen."
Jetzt kommt ein Jäger daher, will den Imam rausziehen, aber der sagt wiederum: "Allah wird mir helfen." Der Imam versinkt, stirbt und tritt vor Allah. Er fragt Allah: "Warum hast du mir nicht geholfen?" Da antwortet Allah: "Ich habe dir drei verschiedene Helfer geschickt, die du alle ablehntest. Wie oft hätte ich dir noch zur Hilfe kommen sollen, damit du verstehst?" 
;-)

Dienstag, 4. Juni 2013

Leicht


Es ist so leicht ein Bild zu zeichnen. Wir werden gezeichnet, zeichnen uns selbst und malen mit allerlei Farben. Ab und zu kommt es auch vor, dass wir sie unterzeichnen. Alles beginnt mit einem ersten Umriss; mit dem Versuch einer Annäherung an eine Idee. An einen Zustand der Welt. Sie hörte es einst singen Look at me/ Autogramme vis à vis/ Gegenüber einer Welt/ Deren Umriss uns gefällt.[1] Mit der Realität hat das nicht zwingend etwas zu tun; eher vielleicht mit einer Fotomontage der Imagination. Und während sie, mehr oder weniger unsichtbar, den Straßenkünstler dabei beobachtete, wie er, auf ein Foto blickend, darum bemüht war seine Sicht des Fotos sichtbar zu machen, klopfte ihr jemand auf die Schulter. Das war ein langsamer Satz, doch sie erschrak.
Du beobachtest jemanden, der selbst jemanden beobachtet und wirst dabei beobachtet. Obskur, aber nichts anderes als die realste Realität.
Sie drehte sich um. Dort stand eine verschleierte Frau, die ihr einen eindringlichen und entschiedenen Blick zuwarf. Da war nichts anderes, nur dieser Blick. 

Wir kennen uns. Sie haben ein Bild von mir gezeichnet. Du weißt es. Du kennst dieses Bild und du kennst mich. Und du kennst die Wahrheit. Sieh sie dir an.

Der erste Mensch, der den Islam annahm, war eine Frau, zeigte sie ihr als erstes. Doch da war mehr.
Der erste Mensch, der umgebracht wurde, nur weil er an den Gesandten Gottes, Muhammad (saw), und an einen einzigen, gerechten Gott glaubte, war eine Frau.

Frauen gehörten zu jenen Gläubigen, die nach dreizehnjähriger Verfolgung und nach der Auswanderung aus der Heimat, Standfestigkeit und Tapferkeit bewiesen; manche, [2] indem sie in den Krieg gezogen ihre körperliche Schwäche überwindeten, um mit ihren eigenen Kräften die Minderheit der Gläubigen zu beschützen.

Da waren Frauen, die als Gelehrtinnen galten, die enormes Wissen an die nächsten Generationen vermittelten; das Fundament des Glaubens mitbildeten.

Heute solltest du den Ǧihād der Feder [3] antreten; du solltest mit der Schrift zeigen, was Bilder nicht mehr zeigen können. Die Manifestation Seiner Zeichen.Und du solltest beten.
Lass es nicht zu. Lasse sie nicht weiter zeichnen.
Zeige dich.

Sie hatte verstanden, denn dieser Blick war der Ihrige.


[1] Song von der Band Tocotronic („Hi Freaks“)
[2] Man denke an Umme Ammaarah oder die Kriegerin Khola
[3] Ǧihād steht hier für eine geistige und vernunftgemäße Anstrengung 

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Mittwoch, 15. Mai 2013

Lesenswert! Exklusiv-Interview mit Hadhrat Mirza Masroor Ahmad (aba) von der Los Angeles Times - Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland

Seine Heiligkeit Mirza Masroor Ahmad (aba) wurde am 9. Mai 2013 bei seinem Aufenthalt in Los Angeles (USA) exklusiv von Los Angeles Times interviewt. Im Folgenden erhalten Sie die deutsche Übersetzung des englischen Interviews:

Wie verbreiten Sie die Botschaft des Islam als eine Religion des Friedens in einer Situation in den USA, wo aufgrund von Terroranschlägen seitens muslimischer Extremisten, einige Leute Vorurteile gegenüber den Islam hegen?
Muslime wurden durch die Geschichte hinweg von Gegnern verfolgt und angegriffen. Sie mussten gezwungenermaßen in den Krieg ziehen, um gegen die Unterdrückung vorzugehen. Doch heutzutage gibt es keine religiösen Kriege. Wenn immer irgendeine jihadistische Organisation sich im Namen des Islam berufen fühlt und die wahren Lehren des Islam missdeutet, dann müssen wir uns hinstellen und und uns dagegen aussprechen. Nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern überall in der Welt sehen wir, dass der Islam diffamiert wird, durch Gegner und Menschen, die das wahre Verständnis des Islam nicht besitzen. Es gibt militante Gruppen, die nicht die Anhänger der wahren Religion sind, denen wir uns immer entgegenstellen werden. Hier in den USA haben wir einen Aktionsplan für gemeinnützige Arbeit ins Leben gerufen. In den letzten zwei Jahren führen wir die "Muslims for Life"-Kampagne durch. Wir organisieren eine Blutspende. Im ersten Lauf der Aktion sammelten wir 10.000 Blutspenden und verteilten sie an Krankenhäuser.

Ihre Gemeinschaft spricht sich für die Trennung von Kirche und Staat aus, was einen Unterschied zu einigen islamischen Ländern im Nahen Osten darstellt, wo politische Staatsoberhäupter versuchen autoritäre Regime, die durch die Revolutionen im Arabischen Frühling verdrängt wurden, durch islamische Staatskonzepte zu ersetzen. Würde sich die Region, Ihrer Meinung nach, stabiliseren, wenn stattdessen säkulare Regierungen eingeführt würden?
In Ägypten haben wir gesehen, dass sich nach dem Sturz von Hosni Mubarak nichts geändert hat. Wir haben immer noch eine Regierung, die die Pflichten gegenüber ihrem Volk nicht erfüllt und die Rechte der Menschen nicht respektiert. In Libyen hat jeder Stamm seine eigene Regierung. Der Verteidigungsminister warnte kürzlich einige davor, die gewählte Regierung zu stürzen und sollten weitere Schritte unternommen werden, dann würde es ein weiteres Desaster geben. In Tunesien sagt jeder, dass man das Land zum Besseren ändert und dies im Namen der Religion, aber dort gibt es keinen Frieden. Wenn es dort wahre Demokratie geben soll, dann muss sie ähnlich wie im Westen praktiziert werden, ohne religiöse Dominanz.

Wie geht die internationale Gemeinschaft mit der Herstellung des Friedens in einer Region um, in der sich Krieg und gewaltsamer Widerstand breitmacht? 
Einige Monate zuvor sagte der israelische Präsident Shimon Peres, dass die Vereinten Nationen (UN) ihre Streitkräfte in diese labilen Staaten schicken sollten, aber nur bestehend aus arabischen Soldaten, nicht westliche Truppen. Eine angemessene Rolle der Nachbarn ist, dass sie sich zusammenschließen und die Konflikte in ihrer Region stoppen. Es ist die Aufgabe der Nachbarstaaten die Gräueltaten in Syrien zu stoppen.

Wie stellen Sie sich vor, auf welche Weise die Kämpfe in Syrien zu einem Ende gebracht werden können?
Die syrische Regierung ist mehrheitlich Alawitisch, während die Mehrheit der Syrer Sunniten sind. Die Regierung behandelte Sunniten schlecht und schuf Ungleichheiten. Jetzt kommen Menschen mit eigenen Interessen ins Land, besonders Extremisten, um die Rebellen zu unterstützen. So herrscht dort nun ein Konflikt zwischen den Rebellen und auch gegen die Regierung. Die Gräueltaten und Verfolgungen wurden von der Regierung losgetreten, aber jetzt machen sich beide Parteien schuldig. Sie werden es nicht selbst lösen können. Es sollte eine Initiative angestoßen werden, die ein Ende des Konflikts mit sich bringt.

Sie sagen, dass es die Verantwortung der Nachbarstaaten ist, einen Weg zum Frieden zu finden. Sehen sie die kürzlich angekündigten Bemühungen seitens Russland und den USA, um die Parteien in Syrien in Verhandlungen zusammenzubringen als eine wünschenswerte Reaktion der Nachbarn? Oder sind diese Mächte zu weit von der Region entfernt?
Die Welt ist heute ein globales Dorf, dementsprechend ist die Idee einer Nachbarschaft breiter gefasst. Aber es gibt immer noch zwei Blöcke in der Welt mit Russland, das die syrische Regierung unterstützt und westliche Regierungen, die die Rebellen unterstützen. USA und Russland werden einen guten Willen unter Beweis stellen müssen, um die dortige Gewalt zu stoppen. Sie muss gestoppt werden. Denn sollte sie fortgesetzt werden, dann wird sie die gesamte Welt mithineinziehen.

Die Führung der Ahmadiyya Muslim Jamaat wurde aus Pakistan ins Exil getrieben. Was sind die Grundunterschiede zwischen Ihnen und anderen Muslimen? Und welche Folgen hat diese Spaltung auf den Zusammenhalt und die Einheit der islamischen Botschaft?
Wir glauben, dass der Messias als untergeordneter, nicht-gesetzgebender Prophet in der Person des Begründers der Ahmadiyya Muslim Jamaat (Gründung: 1889) gekommen ist. Andere Muslime widersprechen und glauben, dass nach dem Heiligen Propheten (saw) kein Prophet gesandt werden kann, ob er ein neues Gesetz bringt oder nicht. In Pakistan hat das Regime ein Gesetz gegen Ahmadis verabschiedet, welches besagt, dass wir "nach Recht und Verfassung" keine Muslime seien. Ahmadis gibt es in Millionen, nicht nur in Pakistan. Aber dort kann man sehen, dass die pakistanischen Mullahs aus Angst davor, dass sich andere pakistanische Muslime von unserer Lehre angezogen fühlen könnten, uns davon abhielten unsere Religion frei zu praktizieren.

Wo ist die Ahmadiyya Muslim Jamaat am stärksten verbreitet und wo wächst sie am schnellsten? 
Wir haben Millionen von Anhängern in Asien, aber in West-Afrika wächst die Anhängerschaft am schnellsten. Pakistan war die größte Gemeinschaft, nun haben einige afrikanische Staaten höhere Mitgliederzahlen. Wir wachsen Tag für Tag, jedes Jahr um hunderttausende. Einige Menschen fürchten sich vor dem Islam. Einige Menschen sind allen Religionen gegenüber gleichgültig. Sie glauben nicht an irgendeinen Gott. Aber nach einer bestimmten Zeit werden sie den Weg zurück zur Religion finden. Wenn sie diesen Zustand erreicht haben, dann glauben und hoffen wir, dass wir ihnen helfen werden, ihre spirituelle Leere mit den wahren Lehren des Islam zu füllen.


 

Montag, 29. April 2013

"Was alle angeht, können nur alle lösen"- Ein Kommentar zur wachsenden Islamfeindlichkeit

Laut einer aktuellen Studie (Vgl. http://www.zeit.de/gesellschaft/2013-04/islam-bedrohung-studie) sieht die Mehrheit der Deutschen den Islam als Bedrohung an. Als Ursache für die gestiegene Islamfeindlichkeit wird unter anderem der fehlende persönliche Kontakt zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen genannt.  

Als ehrenamtliche Akteurin einer muslimischen Frauenbewegung würde ich ergänzen, dass interreligiöse Dialogveranstaltungen oftmals geringfügig besucht und Bemühungen seitens der Muslime, über ihre Religion aufzuklären und zu informieren, selten tatsächlich gewertschätzt werden. Das mangelnde Interesse für einen friedlich gelebten Islam und die schleichende Tabuisierung von Religionen im öffentlichen Raum führen zu einem stringeten Wachstum von unberechtigten Ängsten gegenüber Muslimen und damit zu einem Konfliktpotenzial für die gesamte Gesellschaft. Im Koran heißt es hierzu: "O ihr Menschen, Wir haben euch von Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, dass ihr einander kennen möchtet. Wahrlich, der Angesehenste von euch ist vor Allah der, der unter euch der Gerechteste ist. Siehe, Allah ist allwissend, allkundig." (29:13)


Gerechtigkeit durch ein ehrliches Aufeinanderzugehen, wachsendes Verständnis gegenüber gelebter Religiösität und eine kritische (Selbst)-Reflexion können dieses Konfliktpotenzial entschärfen. Wichtig ist hierbei vor allem, dass sich alle, Muslime wie Nicht-Muslime, angesprochen fühlen. Denn, wie schrieb Friedrich Dürrenmatt einmal weitsichtig: "Was alle angeht, können nur alle lösen. Jeder Versuch eines Einzelnen, für sich zu lösen, was alle angeht, muss scheitern."(Die Physiker)

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Mittwoch, 24. April 2013

Was ich bin - Eine Fortsetzung

Sie stand auf, nahm den Papiervogel in die Hand und entzifferte mit ein wenig Mühe die Botschaft eines Fremden. „Lass dich nur in keiner Zeit/Zum Widerspruch verleiten/Weise fallen in Unwissenheit/Wenn sie mit Unwissenden streiten“  Wer war dieser Fremde? Das Publikum verstand nicht so recht, was hier vor sich ging. Weshalb sie sich nicht bewegte, einfach still da stand und schwieg. Und es passierte wie von selbst; sie hatte es geahnt. Wenn wir erschöpft sind und unser Körper nicht mehr kann, dann öffnen wir unser Herz. Wir öffnen es, um es danach wieder so fest zu verschließen, bis ein Teil darin verloren geht.


pardesi pardesi jaana nahi

Fremder, Fremder, geh nicht
mujhe chhodke mujhe chhodke

Lass mich nicht zurück, lass mich nicht  zurück
pardesi pardesi jaana nahi

Fremder, Fremder, geh nicht
mujhe chhodke mujhe chhodke

Lass mich nicht zurück, lass mich nicht  zurück
pardesi mere yaara vada nibhaana

Fremder, mein Freund, halte dein Versprechen
mujhe yaad rakhna kahin bhool na jaana

Behalte mich in Erinnerung und vergesse mich nie


In ihr ist es nun unglaublich still geworden. Vielleicht war es ein Zustand der Ohnmacht. Aber vor ihrem inneren Auge ertönte skurillerweise ein altes indisches Lied aus dem Film Raja Hindustani, das sie beinah vergessen hatte. Als ob das vergangene Ich ihrem heutigen Selbst etwas zu sagen hatte. Das überall fremde; das hin und hergerissene Selbst. Es sprach. Nein, es sprach nicht, es sang.



Aaye ho meri zindagi mein tum bahaar banke

Du bist in mein Leben gekommen wie der Frühling
phoolon ke mausam mein milne aate hai

Du bist gekommen, um mich in der Zeit der Blumen zu treffen
patjhad mein panchhi bankar udjaate hai

Und wenn die Blätter fallen, wirst du zu einem Vogel und fliegst davon
hansti aankhon ko aansu de jaate hai

Aus lachenden Augen kommen nun Tränen
vaada karke bhi na vaapas aate hai

Du wirst nicht zurückkommen, selbst wenn du es versprechen würdest
pardesi mere yaara guzara zamaana

Fremder, mein Freund, die Jahreszeit ist vorbei
use yaad rakhna kahin bhuul na jaana

Behalte dies in Erinnerung, vergiss es nie!


Sie schaute sich alle so gut wie sie konnte an. Jeden Einzelnen. Wie sie bloß da stand. Das Ich. Klein und zerbrechlich, wie ein Streichholz. Die Anderen waren nicht anders; wie sie auf sie starrten, in kindlicher Erwartung auf ein loderndes Feuer. Lauter winzige Streichölzer. Feuer, Feuer, Feuer. Wir wollen es brennen sehen. 

Nicht länger wartend; nicht länger erwartend, nahm sie das Mikrophon in die Hand. Sie war es sich selbst schuldig. Laut und nüchtern, ja, in einem beinah abgeklärten Tonfall, der eher an Kapitulation erinnerte als an Performance, sagte sie plötzlich: WER SEIN EGO ZURÜCKSTECKT VERDIENT DIE MEISTE ANERKENNUNG. UND DOCH ERHÄLT ER DIE GERINGSTE. 

Es brannte. Und wie.


Wenn auch alles andere scheitert, meine Liebe, wir scheitern mit.
Wenn auch alles andere scheitert, unsere Liebe tut es nicht. 

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Montag, 22. April 2013

DAS IST KUNST

"Wer will sich denn so weit hineinwagen in die Welt des anderen? Die Leute wollen sicherlich ein bisschen mitgenommen werden vom Leben des anderen, aber doch immer so, daß sie noch hübsch an der Oberfläche bleiben. Aber sich wirklich auf den anderen einlassen?" (Hadayatullah Hübsch [1])

Quelle raimundsamsonkreativ.blogspot.com


Ausgezogen[2]

Wir waren ausgezogen, den Himmel auf
Die Erde zu holen und hatten gestohlen,
Was die Welt uns nicht freiwillig gab,
Die Welt, das Grab,
In das sie uns hineingelegt hatten in
Arger Selbsttäuschung, wie sie
Sollten wir werden, verkrüppelt von
Tausend Jahren Kadavergehorsam,
Das Raunen im Ohr, wir folgen dir,
Zum Zeugen nehmend, den skrupellosen Arm,
Den kurzes Denken gelähmt,
Emporgehoben zu den dichten Wolken,
So lugten sie in den Nebel,
Und riefen, die anderen sind Schuld,
Machts uns nach, wir süffeln und rauchen
Und schreien das Land zum 3 zu 2 Sieg,
Dreist und feist wieder geworden,
So wollten sie uns zum Lernen zwingen,
Zum Einstudieren der Rituale, der
Qualen, welch Hochgenuss und was für ein
Bitterer Nachgeschmack, o reiß den
Horizont auf, sangen wir im One, two,
Three o'clock four o'clock Rock-Rhythmus,
Und warfen die Kuckucksuhren an die
Tafel, beschmierten uns mit dem Rouge der
Verbotenen Tempel, angespitzt und vernagelt,
Bis uns etwas Besseres einfiel,
Der Fall der Alten, der Zufall der Bewegungen,
Wenn wir uns heiß tanzten und den
Gestanzten Bücherweisheiten den Rücken kehrten,
Als ob die Straße das Heil brächte,
Als ob wir uns verkaufen könnten
An das Gekotze, wisch das weg,
Als ob wir etwas zu verraten hätten
Beim Schlag der Glocke,
Beim Schlagerduell,
Beim Befühlen unserer Wühlmaushaut,
Beim Wühlen in den Plattenstapeln mit ihrem
I'm just a lonely boy, lonely and blue,
Während unsere Augen ertranken im Watt
Vor den Klippen, während das Meer rauschte,
Got myself a crying, talking, sleeping,
Walking Living Doll,
Ach nein, Marionetten wollten wir nicht sein,
Lieber verwildern auf Trampfahrten
Als versauern im Lateinunterricht, in dem
Uns eingebläut wurde: die dem Tode
Geweihten grüßen dich,
Bis uns der Beat an neue Gestade warf,
Der Hoffnungsträger, der sich nicht pervertieren
Lassen durfte, denn der Beat, denn der Beat
Bleibt links, skandierten wir in den
Dumpfen Hörsälen vor magerem Publikum,
Durch den Ruhrpott rasend,
Mit Pot-Zigaretten im staunenden Mund,
Ohne um Erlaubnis zu fragen
Die Polizei und die Bürger,
Ohne uns zu scheren,
Mit wallendem Haar,
Aber verwundert, welch Wunder das Leben bereit
Hielt, wenn du nicht anhältst an der
Ampel, egal wie das Farbenspiel,
Wenn dir der Blitz der hellen Freude
Durch den Kopf zischt und du in den süchtigen
Augen die Losung trägst:
We want the world and we want it
Now, bis wir merkten, dass es keine Gewinner
Gibt, sondern nur schöne Verlierer,
Bis aaaargh I feel good
Aus dem Verstärker krachend fuhr und uns ins
Mark traf, wie kann es weitergehen,
Wenn du stehen bleibst?
Also wurden wir Provokateure,
Teure Vagabunden, Heimatlose, Wanderer,
Also zischelten wir: Ach, diese Minderjährigen,
Oder zerrissen die Pop-Plop-Gedichte
Und warfen die Schnitzel ins Publikum, die
Jagd ist eröffnet,
Also summten wir: Mutter Erde, auf der wir
Alle zusammen sind, mit großen Kinderaugen
Und glänzenden LSD-Pupillen,
Also verschenkten wir unsere Herzen wie Dutzendware,
knipsten mit unseren Lidern
Als steckte dahinter die Kamera des
Inneren Weltalls,
Also waren wir in Tages- und Nachtreisen
Verwegen und unnahbar schön,
Denn der Beat bleibt links,
Denn wir wollten verstehn,
Denn der grenzenlose Raum lockt,
Denn Zeit war auf unserer Seite,
Und so verrammelten wir tollkühn die Rat-
Häuser, suhlten uns tabulos in den
Brackwassern der Flüsse,
Gammelten wir durch die Einkaufsparadiese
Mit dem Motto: Geld spielt keine Rolle,
Also waren wir Zukunft,
Und Zuckung,
Und Verlockung,
Und Verruf,
Und heiter und bunt wie Schmetterlinge,
Und versessen darauf, allen zu zeigen,
Wie hübsch wir waren, wie unwiderstehlich, Draufgänger, Saufbrüder,
Höhlenbewohner des Kiffs,
Mit dem Yellow Submarine jedes Riff umfahrend,
Fahrig und verwahrlost,
Eben die, vor denen uns unsere Eltern
Gewarnt hatten,
Bis alles zu viel wurde,
Bis wir stolperten und fielen,
Weil wir nicht mehr gefallen wollten,
Bis wir alle wurden,
Weil wir nur noch lallen konnten,
Bis das magere Licht jenseits des Liebestales,
Das uns magisch angezogen hatte,
Erlosch, bis wir lasch in den Seilen hingen,
Jeder eine Legende,
Ein Überraschungsei,
Ein Segler durch die Mauern in und außer uns,
Aber verraten von unserer Unfähigkeit,
Mehr zu sein als Schein,
Mehr zu werden als Erden,
Mehr zu geben als Piranja-Leben,
Mehr zu erfahren als wir in 100 Jahren
Lernen könnten, entkernen könnten,
Erwärmen könnten, umschwärmen könnten,
Ach, das Bild, das wir von uns machten,
Zerfloss in bleierner Stille,
Unser Wille Ohnmacht,
Ausgelacht wurden wir von den Größen,
Verachtet, weil wir uns entblößten,
Selten auch beweint,
Eingedenk der Lieder: wo meine Sonne scheint,
Und wo meine Sterne stehn,
Da kann man der Hoffnung Land und der
Freiheit Licht in der Ferne sehn,
Aber zu viele kamen nicht an,
Zu viele verrottet, verstorben, verlassen,
Zu viele verwirrt, verirrt, verwest,
Aber einige haben die Suche nach der blauen
Blume nicht aufgegeben,
Einige, die schweben, die heben immer wieder
Die Steine auf, die auf ihren Weg gerollt
Werden wir Groll und Laster, Hohn und Zaster,
Wanderer, kommst du an da,
Dann höre auf den, der sah,
Der nicht abgespritzt wurde,
Von fremder oder eigener Hand,
Der den Verstand schärfte,
Der sich impfen ließ gegen den Ausverkauf,
Der nicht aufhört zu fragen,
Was die Sagen zu verkünden haben,
Was die heiligen Schriften offenbaren,
Von Eingebungen heimgesucht und nicht verflucht,
Immer auf der Suche, immer in Bewegung,
In Erregung nicht verharrend,
Auf Schlangen nicht starrend,
Von Erinnerung zehrend,
Sich über's Gestern nicht beschwerend,
Lernend und lehrend,
Die Habgier verzehrend,
Die Eifersucht verzehrend,
Den Neid verzehrend,
Den Hass verzehrend,
Die Feindschaft verzehrend,
Das Dunkle verzehrend,
Wie Feuer auf dem Berg der großartigen Toten,
Wie Schneeflocken auf den Wiesen der schönen Tage,
Wie ein Laserstrahl, der auf die Stirnbänder
Graviert: Come on baby light my heartbeat,
Heart Beat Art Beat Hard Beat Start Beat
Start Beat Bbbbbbbbbbeat
It.


[1] http://hadayatullah.de/lyrik/unsortiert-1/ausgezogen/




[2] Quelle: http://lyrikzeitung.com/2011/02/19/87-immer-hubsch-an-der-oberflache-bleiben/