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Sonntag, 12. Januar 2014

Willentlich

Ich kann nichts festhalten
Ohne das Klirren
Des zu Boden gefallenen zu fürchten

Ich kann nicht Ich sein
Ohne dich in mir
Werdend gesehen zu haben

Ich kann nicht in mir lassen
Ohne den prüfenden Blick
Des Verlassenen zu kennen

Ich kann nicht aus mir heraus
Ohne in fiebriger Ehrfurcht
Des Verliebten zu verharren

Ich kann nicht geduldig sein
Ohne die Worte eines
Wärmend Reinen zu erwarten

Ich kann nicht milde sein
Ohne für mich selbst 
Strenge walten zu lassen

Ich kann die Nacht nicht heilen
Ohne die Schmerzen
Des Vermögens zu erahnen



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Montag, 16. Dezember 2013

German Schlagabtausch

Der Prüfer schweigt während der Prüfung seines Prüflings. Herauszufinden, was er prüft und wie er spricht, schadet aber nicht.

Man konnte seine Wirkung nie gänzlich verfehlen. Es mag massig Missverständnisse geben auf dieser weiten Hemisphäre, vier Botschaften einer Nachricht und lauter Nonsens, kleinkarierte Cartoons im Großformat und liebevolle verhunzte Versionen einer Vision. Aber der ursprünglich beabsichtigte Sinn und Zweck bleibt selten völlig verborgen. Also lässt du nichts unversucht. Selbst wenn dir die Personifizierung der Ignoranz selbst den Rücken kehrt, du würdest weiter so fortfahren wie zuletzt. Du würdest ihr begegnen und ihr direkt und unverfangen in die Augen schauen. Es ist ein Ausdruck ihrer Identität, dass sie dich leugnet. Sie wies wie immer deinen Blick ab, sah weg. Aber das war dir egal. Du würdest nicht wegschauen. Ganz im Gegenteil: noch inniger, noch dreister, noch konzentrierter. Geradeaus, straightforward. Beinahe stur. Vielleicht penetrant. 

Nur...was sollte es schon ändern, würde sie dich kurz anschauen? Wenn sie nicht hinsehen möchte, lass sie einfach sein, lass sie, wie sie ist- Selbstgefällig im Alleingang. Lüge bleibt Lüge, auch wenn man ihr die Schlagader durchtrennt.  

Und doch konnte sie es nicht. Ihren eigenen kühlen Atem spüren und das mechanische Herzklopfen der Anderen, die Unruhe im Nachbarn und den Frieden in ihr. Wie könnte sie das tun? Nicht hinzuschauen, nur weil der Andere wegschaute? Du kannst deine Wirkung nicht gänzlich voraussehen, Ignoranz. Es gibt immer etwas größeres, das hinter dir steht. Nicht zu fragen, weil der Andere nicht antwortete, nichts anzubieten, weil der Andere zu stolz war, es anzunehmen. Das hieße: nicht zu lieben, weil der Andere deine Liebe nicht erwidert. Aber du kannst mir nicht verbieten dich zu lieben. Du kannst mir nicht verbieten dich anzureden, selbst wenn es dir missfällt. Mach was du willst, schlag mir ins Gesicht. Es gibt immer einen Schlag, der dich selbst stärker verletzen wird, als deinen Gegner. Response needs no response. But no response needs response. Wahrheit bleibt Wahrheit, auch wenn man ihr die Schlagader durchtrennt. Du möchtest ihre Augen treffen. Möchtest das durchdringen, was für immer den Rückzug angekündigt hat? Was war das für ein Blick in dir? Muss da nicht einiges schief gelaufen sein, dass diese Nähe bedrohlicher zu sein scheint, als der Anblick eines verruchten Banditen? Und sogar dieser wird nicht bloß gemieden, sondern gejagt und verhört. 

Identität ist nicht nur das, was jetzt ist. Identität ist nicht aktual. Du bist heute, auch morgen- Das was du sein kannst. Du bleibst du, auch wenn du alt wirst. Das Potenzial deines Wesens kannst du nicht kennen. Du darfst es nicht kennen. Sonst würdest du erschrecken.

Sie war bestimmt unglaublich dreist und absolut weltfremd. Unglaublich naiv und total besessen. Aber eines war ihr klar. Wenn auch zu viel Nähe Angst machen kann - keine Nähe macht Lügen.

 
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Freitag, 22. November 2013

Verlorenes Eigentum

Wie glücklich ist derjenige, der etwas verloren Geglaubtes wiederfindet? Wie viel Freude bereitet ihm ein kurzer Blick, selbst eine Spur der Existenz des Gesehenen? Warum also sollten wir Angst haben vor dem Fremdartigen? Vielleicht gehört es zu uns, ohne das wir es ahnen. Alles Wissen ist das verlorene Eigentum eines Menschen - Wer meint alles zu kennen, merkt erst was ihm fehlt, wenn er es findet.


"Der Islam hat fremdartig angefangen, und er wird fremdartig wiederkehren, wie er angefangen hat. Wohl den Fremdartigen, die das wieder ins Leben rufen, was die Leute nach mir von meiner Glaubenspraxis vernachlässigt haben." Ausspruch des Propheten Muhammad, Allahs Frieden und Segnungen seien auf Ihm



Hadith in: Von der Sunna des Propheten, Köln 1994, S. 272; 2. Auflage, aus dem Arabischen von M. Ibn Rassoul

 
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Mittwoch, 11. September 2013

Zeichen der Gebetserhörung

1.   Nach dem Gebet ändern sich die Umstände in einer solchen Weise, dass man deutlich erkennen  kann, dass sich diese Veränderung nicht zufällig ereignete, sondern durch einen höheren und mächtigeren Willensakt herbeigeführt wurde.
2.  Durch das Gebet können Ziele erreicht werden, die durch eigene Anstrengungen allein  und ohne das Gebet nicht erreicht werden könnten.
3. Als Ergebnis des Gebetes entsteht eine derartige Zusammenballung von außergewöhnlichen Umständen, deren Fülle uns nicht mehr erlaubt, sie als zufälliges Zusammentreffen zu bezeichnen.
4.   Sehr oft erfährt ein Betender durch Offenbarung oder durch Eingebung im Voraus, dass seine Gebete angenommen wurden.Nach dieser etwas voraussagenden Nachricht von Gott, kann es sich bei dem später eintreffenden Ergebnis nicht um einen Zufall handeln.         
Vgl. Hazrat Mirza Baschirud-Din Mahmud Ahmad (ra): Hasti Bari Taala , Vol 6, Anwarul 'Ulum  Seite D.108                                                                                   
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Montag, 26. August 2013

Vertrauen wir Hegel?- Warum absolutes Misstrauen der Wegbereiter für eine neue Epoche der Entschiedenheit sein wird

Wir leben in einem Zeitalter, in dem der materielle Fortschritt einen noch nie dagewesenen Höhepunkt erreicht hat. World Wide Web, Smartphone, GPS, Lasertechnik und Co. determinieren unsere Gesellschaft. Wir rasen und rasen und können es uns nicht mehr vorstellen in einer Welt zu leben die anders funktioniert, ja, die anders strukturiert ist als die jetzige. Vielleicht werden Historiker irgendwann sagen: Das 21.Jahrhundert war ein ganz spezielles Jahrhundert – Bahnbrechend, revolutionär für unser heutiges Dasein. Vielleicht werden sie sogar sagen: Wir haben erst dann begonnen, die Technik dynamisch zu machen. Lebendig, mobil und vielversprechend. Wir waren dabei, als es begann.

Und dennoch ist ein statisch-anmutender Gefühlszustand prägend in der heutigen Zeit. Eine Mentalität, mit der wir alle konfrontiert sind und die den Wenigsten geheuer ist. Ich spreche, so provokant es erscheinen mag, von einer Eigenheit dieses Jahrhunderts. Ein Zustand, der unabdingbar mit der Brisanz des materiellen Fortschritts verknüpft ist. Ein Zustand, der in seiner Dominanz und Häufigkeit ein Grad erreicht und in seiner Erscheinungsform an Gewicht gewonnen hat, welches weder relativiert noch ignoriert werden kann. Es ist die Mentalität des absoluten Misstrauens. Wir können nicht mehr vertrauen. Misstrauen gepaart mit Lethargie. Kognitive Dissonanz. Das Ende des Anfangs.
Woran mache ich meine These fest? Und zu welchem Ergebnis kann sie führen? Ich könnte jetzt soziologisch argumentieren und durch das Kriterium der Empirie und Beobachtung meine Schlüsse ziehen, so wie Eva Illouz es in ihrem neu erschienen Buch „Warum Liebe weh tut“, versucht. Wir könnten sagen: Absolute Freiheit führt zu rücksichtsloser Liebe und zum Scheitern von Liebe - Fehlende Normen und Werte führen zum Verfall der Gesellschaft. So ginge es in etwa vereinfacht. Aber das möchte ich hier nicht tun. Ich werde auch nicht naturwissenschaftlich argumentieren - dass die körperliche Evolution des Menschen sein Optimum erreicht hat und die Evolution des Geistes unendlich ist, beispielsweise. Nein, das führt hier zu nichts. Bleiben wir bei der Logik. Bei der Philosophie. Der Erkenntnistheorie.


Wir haben es nämlich mit einer Polarität zu tun. Mit zwei Gegensätzen, die einander beeinflussen und eine Spannung verursachen, und nur wenn wir diese Polarität verstehen, können wir auch ihre Begleiterscheinungen einordnen und bewerten. Auf der einen Seite befinden wir uns im materialistischen Umbruch. Nennen wir zum Beispiel den steigenden Materialismus, als Heilsversprechen und Mittel zur Glückseligkeit, die sogenannte These nach Hegels Dialektik des Weltgeistes. Und nennen wir demnach die Spiritualität oder das Vertrauen zu Gott, als geistiges Heilsversprechen und Mittel zur Erlangung von Glückseligkeit, die Antithese nach Hegel. Das sind zwei Stadien der Erkenntnis, die eine Entwicklung der Vernunft bezwecken sollen. Das dritte Stadium ist die Synthese, eine Brücke zur Auflösung der Spannung.


Hegel ging davon aus, dass allein das Vernünftige lebensfähig bleibt und sich somit durchsetzen würde. Dabei ist das Unvernünftige jedoch von enormer Bedeutung, um die Entwicklung des Vernünftigen zu provozieren. Das heißt: Umso stärker die These, desto stärker die Antithese. Eine starke These ist somit das Beste was einer Idee passieren kann. Denn je energischer die These ist, desto stärker ist die Negation der Negation. Wenn ich an das „Sein“ nachdenke, muss ich unweigerlich auch an das „Nicht-Sein“ nachdenken. Eine solche dialektische Spannung kann nur aufgelöst werden durch das „Werden“. Anders angewendet: Die Stärke des materialistischen Heilsversprechen führt unweigerlich zu einem wachsenden Misstrauen gegenüber dem spirituellen Heilsversprechen. Die damit einhergehenden gesellschaftlichen Probleme provozieren dabei jedoch immer stärker eine Antithese: Die Sehnsucht nach Vertrauen, die Sehnsucht nach einer tiefergehenden, verborgenen Wahrheit. These und Antithese bedingen einander, die Vorstellung von Materialismus existiert nicht ohne die Vorstellung von Spiritualität, Misstrauen existiert nicht ohne die Idee des Vertrauens.


Haben wir erst einmal jene Realität erkannt, können wir entsprechende Schlussfolgerungen zur Synthese ziehen und Lösungsansätze benennen. Als Theologin wage ich die Herausforderung das erkenntnistheoretische Modell in einen neuen, islamrelevanten Kontext einzubetten.

Der Islam ist eine monotheistische Religion, das heißt tauhid, und damit die Lehre der Einheit und Ganzheitlichkeit des Wesen Gottes, steht im Mittelpunkt. Der Mensch, der die Idee der Einheit Gottes nicht verinnerlicht hat, wird im Koran als „Irrender“ bezeichnet. Jeder Zweifel, jede Spaltung, jedes Straucheln führt ergo zum Aber- oder Unglauben und damit zum Identitätsverlust der Seele. So heißt es in Sura 9, Vers 45: „(…) und in ihrem Zweifel schwanken sie.“ Das Irren der Schöpfung gleicht dem Zustand der Morgenröte [1]: es ist nicht Tag und nicht Nacht. Der Mensch befindet sich in gewisser Weise im Unklaren. Hazrat Mirza Ghulam Ahmad, Friede sei auf ihm, schrieb dazu treffend: „Es ist logisch, dass man eine Sache die man nicht kennt, nicht wertschätzt, nicht liebt; noch hat man Furcht vor ihr. Alle Arten der Liebe und Furcht entstehen nach der Erkenntnis.“[2]

Die Hölle des Irrenden ist somit ein labiler Zustand der Unentschiedenheit, Unvollständigkeit und Unbestimmtheit oder Unbeständigkeit. Er befindet sich in einem Stadium orientierungslosen Lechzens, wie es in der Sura Al-A´raf (7:177) heißt: „(…)Er gleicht daher einem Hunde: treibst du ihn fort, so lechzt er, und beachtest du ihn nicht, so lechzt er. Gerade so geht es Leuten, die Unsere Zeichen leugnen.“ Man könnte sagen, die Anerkennung von Polarität bildet hier die These nach Hegel und die Leugnung von Polarität bzw. von Ganzheitlichkeit bezeichnet die Antithese. Die Synthese wäre aus theologischer Sicht die Vereinigung beider Gegenstücke durch die Formulierung der Erkenntnis, dass Gott der Herrscher über jede Form von Polarität ist.


In der Sprache der Fachsemantik ausgedrückt, klingt es sehr schwerfällig. Dabei bezeichnet es im Grunde genommen einen spirituellen Pfad, der nicht in Worte zu fassen ist. Der muslimische Mystiker und Philosoph Jalauddin Rumi formulierte es so: „Hier ist eine Welt, und da ist eine Welt. Ich sitze auf der Türschwelle.“[3]  Die Schwelle ist somit eine Art Bindeglied oder Brücke zur Überwindung der Polaritäten. Der Islam als Weg der Mitte, führt zur Einswerdung mit Gott und damit zur Auflösung der Unvollständigkeit.[4] Eine Überwindung jeglicher Polarität kann dabei nur gewährleistet werden, indem Gott als Herrscher der Polaritäten angesehen wird. Schließlich ist Gott immer existent, egal ob es Tag ist oder Nacht. Allein die Wahrnehmungsfähigkeit des Menschen ist in der Finsternis eingeschränkt. Der Mensch ist jedoch in der Lage seine Sinne zu schärfen und Gott zu erkennen (Licht) oder seine Sinne abstumpfen zu lassen und Gott zu leugnen (Finsternis).


Wenn Hegel also recht behält, dann kann einzig und allein ein Islamverständnis überzeugend sein und an Einfluss gewinnen, das die Spannung der Polaritäten auflöst und den Weg der Mitte lehrt. Eine fanatische Lesart ist dadurch ebenso wenig erfolgversprechend, wie eine laxe Lesart der Modernisten. Es muss ein Islamverständnis sein, das eine lebendige Beziehung zu Gott propagiert und dennoch nicht völlig weltfremd erscheint.


Nicht ohne Grund prophezeite Max Heine schließlich nach der Lektüre von  Jean-Francois Lyotards Thesen der Postmoderne eine neue Epoche der Entschiedenheit und damit einen Ausbruch aus dem „unerträglichen Stillstand“ der heutigen Zeit:


Die Postmoderne ist widerlegt durch die Geschichte, durch den Fortschritt, durch die Eindeutigkeit und Originalität von Ideen. (…) Die neue Epoche ist geprägt durch den Ausbruch aus dem unerträglichen Stillstand der Postmoderne. Der Aufbruch ist unabdingbar, wenn der Westen auf die großen Veränderungen reagieren und angemessene Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit finden möchte. Antworten, die sich an moralischen und solidarischen Aspekten orientieren. (…) Die neue Epoche wird sich durch die Suche der Menschen nach Halt in einer sich verändernden Welt charakterisieren. Die Bedeutung des Identitätsstiftendem im Rahmen dieser Suche wird dabei  – als Gegenpol zum Individualismus – weiter zunehmen.“[5]


Ob es so sein wird? Wir werden sehen. Mein Vertrauen hat er bereits.

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[1] Vgl. Sura Al-Falaq

[2]Hazrat Mirza Ghulam Ahmad wird von vielen Muslimen als erwarteter Messias und Reformer der Endzeit angesehen. Das Zitat wurde aus dem Buch „Vortrag von Lahore“ entnommen (Frankfurt am Main 2011, S. 19-20)

[3] Vgl. http://www.ahmadiyya.de/islam/islamische-mystik/

[4] Vgl. auch den  interessanten Artikel http://www.huffingtonpost.com/craig-considine/rumi-and-emerson_b_3748667.html?utm_hp_ref=tw

[5] Vgl. http://le-bohemien.net/2013/02/25/die-postmoderne-ist-tot/

Dienstag, 13. August 2013

Größer als

Erzähle mir von jener Lehre
Die dir Vervollkommnung verheißt
Erzähle mir von jener Zierde
Die dich Ganzheit lehrt
Du sagtest mir es sei Heilung
Doch ich fürchte mich
Ich dünkte ich sehe dich kommen
Doch ich sehe dich nicht

Höre: Ich antworte dir an einem Morgen
Wenn der Tag am jüngsten ist
Wenn der Tau auf den Bäumen liegt
Alles einsam ist und niemand flüstert
Alles still ist und niemand lauscht
Wenn du hellwach bist
Heller als der hellste Stern
Wenn du klar sehen kannst
Und du genau hinsiehst 
Ganz genau
Sieh hin

Du spürst den Tau 
Du hörst wie ein Blatt fällt
Du atmest die Luft
Die in der Hemisphäre schwebt  
Es ist, als wärst du der Tau
Es ist, als wärst du das fallende Blatt
Es ist, als wärst du die schwebende Luft
Das wallende Kleid eines Fremden
Und doch bist du hier
Und nirgends anders gewesen
Hast dich nie entfernt
Warst nie versunken
Du bist unvollkommen
Und doch vollkommen 
In der Liebe 
Zur Vollkommenheit

Erst wenn etwas größer ist
Kann Erkenntnis funktionieren
Erst wenn etwas verborgen ist
Kann es sichtbar werden
Wenn etwas immer größer bleibt
Kann etwas anderes ständig wachsen
Dein Mangel 
Dein Streben
Dein Gebet
Ist Voraussetzung
Ist Wegbereiter 
Zur Schärfung deiner Sinne
Zur Einswerdung mit Ihm

Schau es dir genau an
Schau es dir genau an
Du wirst keinen Fehler finden
Keinen Widerspruch
Keine Spaltung
Nichts das fehlt
Weil alles eins ist
Weil alles, das dir gehört
Nicht dir gehört
Und doch dir gehört
Alles fällt auf dich zurück
Und ist noch nie gefallen

Wir schöpfen aus unserem Schöpfer
Sterben und werden lebendig und
Sterben wieder einen weiteren Tod
Um aus diesem neu zu erwachen
Alle Hoffnung auf Leben
Alle Hoffnung auf Zufriedenheit
Alle Hoffnung auf Freiheit
Alle Hoffnung auf Klarheit
Liegt in jener Größe verborgen

Keine Kraft und Macht der Welt
Kann jene Größe schmälern
Keine Kraft und Macht der Welt
Kann jenen Blick krümmen
Wenn er spricht "Sei!!
Dann ist es und es wird sein
Als sei es nie anders gewesen

Solltest du immer noch zweifeln
So zweifle
Es wird mir nicht schaden
Und kann dir nichts nützen
Doch wenn du siehst
Was ich sehe
Dann vergieße Tränen 
Weine
Weine aus Dankbarkeit
Sie werden dir nicht schaden
Und uns beiden nützen

Das ist Heilung.

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Samstag, 22. Juni 2013

Hände

Du suchtest deine Hände
Die in Bewegung
Suchtest eine Antwort
Auf ein Gefühl
Das in Bewegung
Deine Hände haben Wände
Deine Wege sind versperrt
Dein Haus erreicht das Ende
Jener Festung, die verwehrt

Doch nicht du hast bewegt
Als du dich bewegtest
Nicht du hast gesucht
Als du in dir suchtest
Nicht du hast gesprochen
Als du in dir sprachst

Es ward ausgesprochen
Ein Gruß, reiner, klarer
Als du verstehen wolltest
Ein Gruß, näher, fremder
Als du ihn hören wolltest
Er kennt dein Wirken
Bevor du gewirkt
Kennt dein Sehen
Bevor du gesehen
Kennt dein Werden
Bevor du geworden

Deine Hände haben Wände
Doch sind es nicht deine
Die du begehrst
Deine Wege sind versperrt
Doch sind es nicht deine
Die du erfährst
Dein Haus erreicht das Ende
Doch ist es nicht deines
Das dir gewährt

Was du tust, bist und werdest
Bleibt ein Licht und bleibt ein Schatten
Wenn von Ihm allein dich zehrest
Und bei Ihm allein dich willst lassen
Denn willst du wirklich wahrhaft streben
Verlange nichts und es wird passen
Was du bekommst, wird dir gefallen 
Und was dir bekommt, wird dir gegeben

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Sonntag, 16. Juni 2013

An den Zeitgeist

Fragst du dich nicht/ Von Zeit zu Zeit/Wohin deine Wege führen/Du schaust dich um/Siehst Fotos von Jetzt/Im 50er Jahre Look/ Monumente/ Gefäße/ Die wir einst fassten/ Geraten/ In Vergessenheit/ Vergangene Ideale/ Herausforderungen einer Zeit/ Was gestern einmal war/Ist morgen immerwährend /Nenn es wie du magst/Vintage des Geistes/Inspiration des Makels/Wir statuieren/ Ein Denkmal/ Bloß/Wenn wir da sind/Wo wir waren/Bleiben wir auch da/Wo wir sind/ Wir bleiben bestehen/ Einzig/ Die Zeit ist es/ Die uns entrinnt


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Samstag, 15. Juni 2013

Vorerst

Erst verkennen sie dich
Dann erkennen sie dich

Dann erkennen sie dich an 

Dann bekennen sie sich zu dir

Und dann erst lernen sie dich kennen 

 

Donnerstag, 6. Juni 2013

Gewöhnlich leben wir mit einem auf das Minimum reduzierten Teil unseres Wesens, die meisten unserer Fähigkeiten wachen gar nicht auf, weil sie sich in dem Bewußtsein zur Ruhe begeben, daß die Gewohnheit schon weiß, was sie zu tun hat, und ihrer nicht bedarf.
Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit



 

Montag, 3. Juni 2013

"Wenn ihr versucht, Gottes Wohltaten aufzuzählen, werdet ihr nicht imstande sein, sie zu berechnen.“ 
Der Heilige Koran, 14:35

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Dienstag, 28. Mai 2013

Schweigen

„Ich möchte dir etwas von mir geben. Sage du es mir, was würde dir am meisten gefallen?“

Es war ein stilles Einvernehmen, ein gegenseitiges Wohlwollen und einfaches Bekenntnis, das selbst unausgesprochen Bestand hatte. Wir sind einander des anderen Freund.

„Wann immer du an mich denkst, sollst du für mich beten. Denn jedes Gebet von dir, das Er annimmt, ist das schönste Geschenk. Sag, kannst du mir etwas Besseres geben als dies? Selbst wenn du es noch nicht weiß, ich bete bereits für dich.“


Jenes Schweigen war es, das den Raum mit Frieden erfüllte.

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Samstag, 25. Mai 2013

Über die Vermessung der Wirklichkeit Gottes und die Angst vor der Freiheit

Die Postmoderne zeichnet sich dadurch aus, dass der Mensch seine Wirklichkeit fassbar machen möchte, kontrollierbar, messbar und damit transparent. Damit dünkt er sich sicher; er glaubt zu wissen, was Produkt und wer Hersteller ist,  was Risiko und was Sicherheit ist; denn es ist ja faktisch evident, materiell und damit sichtbar. Doch inmitten dieser Angst oder Skepsis vor einer unbegreiflichen Wirklichkeit, dringt subtil die Angst vor der Freiheit hindurch. Es ist paradox: Ein Jeder will frei sein. Freiheit ist das Lieblingswort des modernen Menschen; wo Freiheit ist, ist Unabhängigkeit, wo Freiheit ist, ist Glückseligkeit, heißt es. Doch wenn der Mensch so frei sein möchte: Warum möchte er alles fassbar haben, materiell, sichtbar, kontrollierbar und damit in der Hand? Warum möchte er sich ständig mit seiner Umgebung vergleichen, diese bedrängen und triumphieren? Khalil Gibran schrieb dazu einst beinah ein wenig verärgert: „Wenn es ungerechtes Gesetz ist, das ihr abschaffen wollt, dann habt ihr es mit eigener Hand auf eure Stirn geschrieben. Ihr könnt es nicht auslöschen, indem ihr eure Gesetzesbücher verbrennt, oder die Stirn eurer Richter wascht, und wenn ihr das Meer darauf gießt. Und wenn es ein Despot ist, den ihr vom Thron stürzen wollt, seht zu, dass sein Thron zerstört wird, den ihr in euch errichtet habt(…) Ist es eine Furcht, die ihr vertreiben wollt, so vergesst nicht, dass sie in eurem Herzen wohnt und nicht in der Hand des Gefürchteten liegt.“[1]
 

Der Mensch ist besitzergreifend. Besitzergreifung und Freiheit passen schwer zusammen. Genauso wie es unmöglich ist, etwas zu kontrollieren, das sich dem eigenen Kontrollsystem entzieht. Alles was wir fordern; Messbarkeit, Transparenz und Sichtbarkeit; setzt Unfreiheit voraus. Einige mögen hier einwenden, dass die gewollte Unfreiheit wiederum eine Form der Freiheit sei. Und natürlich ist es nur allzu logisch, dass, „kein Einzelner jemals dazu bereit sein wird, seine Unabhängigkeit zu opfern, außer im Wissen darum, dass er durch dieses Handeln mehr erreicht, als er aufgegeben hat.“[2] Aber es geht hier nicht primär um die Frage, ob der Mensch unfrei ist oder nicht. Sondern vielmehr darum, ob er sich seiner möglichen Freiheit oder Unfreiheit bewusst ist und damit im Wesentlichen, inwiefern der Mensch frei sein kann und an welche Bedingungen dieser erweiterte Freiheitsbegriff geknüpft ist. Die mangelnde Reflexion über die potenzielle Freiheit des Geistes führt nämlich dazu, dass die Ursache für inneren und äußeren Unfrieden nicht behoben wird. Solange der Mensch nicht erkennt, was oftmals der eigentliche Antrieb seines Handels ist, nämlich die Angst vor dem eigenen Makel, die Angst vor dem Kontrollverlust und damit die Angst vor dem Tod seines Egoismus, bleibt er in einem gefährlichen defensiven Zustand und entwickelt sich geistig nicht mehr weiter.

Doch was schrieb Khalil Gibran noch, als er den Menschen zur Mündigkeit und Konfrontation mit dem Auslöser des Unfriedens auf der Welt aufforderte? Schien er zunächst verärgert, so appelliert er nun offensichtlich gefasst an das Freiheit-Potenzial im Menschen:



„Und was sind es anders als Teile eures eigenen Ichs, die ihr ablegen wollt, um frei zu werden?“


Es ist möglich jenen Schritt zur Erlangung geistiger Freiheit zu wagen. Schließlich hat nur derjenige, der die Idee der Freiheit nicht fürchtet, auch keine Skepsis vor Gott. Gott als nicht-fassbar und unsichtbar zu erkennen, heißt zugleich, Ihn als frei zu erkennen. Den Gedanken an Gotteserfahrung und Mystik zuzulassen, bedeutet die Freiheit des Geistes und die Freiheit per se zuzulassen. All jene, die sich voller Skepsis gegen Gott stellen, haben auch hier erneut in Wirklichkeit Angst vor dem Unfassbaren, dem Kontrollverlust und damit Angst vor der eigenen Unzulänglichkeit. Hinzu kommt der größte Denkfehler des Menschen; der darin besteht, dass er seine Wirklichkeit, und damit verbunden, seine Kategorien des Seins (die Gebundenheit an Körper, Raum und Zeit) auf die Wirklichkeit Gottes überträgt. Wir selbst kommen nicht ohne die Benennung und Konstruktion von Regeln, Kategorien und Bezugssystemen aus. Doch die Wirklichkeit Gottes ist nur durch den Geist erfahrbar; jedes Wort über Gott bleibt der Versuch einer Annäherung, jeder Versuch Gott in seiner Gänze zu erfassen, muss scheitern. Der Heilige Quran ist durchdrungen von dieser mystischen Dimension und Metaphorik der Wirklichkeit Gottes. Im Vers 6:104 wird diese unergründbare Mehrdimensionalität der göttlichen Wirklichkeit durch die Symbolik des Blickes; der Wahrnehmungsfähigkeit der Augen; versinnbildlicht:



„Blicke können Ihn nicht erreichen, Er aber erreicht die Blicke. Und Er ist der Gütige (auch der Unergründliche [3]), der Allkundige.“ (6:104)


In Anbetracht der Komplexität und Verborgenheit der Wirklichkeit Gottes, könnte die Frage gestellt werden, inwiefern der noch unwissende und nicht-spirituell seiende Mensch, in der Lage ist Gott zu erkennen. Dabei gilt im Quran die sichtbare Wirklichkeit als eine symbolische Manifestation der unsichtbaren Wirklichkeit Gottes, da diese sichtbare Wirklichkeit eine erkennbare, in sich schlüssige und komplexe Struktur besitzt, die einer höheren Maßgebung (Gott) bedarf. Die Wirkung Gottes auf der Welt ist somit für Jeden unmittelbar sichtbar und damit ist es auch Gott in gewisser Weise selbst. Aus diesem Grunde nennt sich Gott selbst auch „a-āhir“ – Der Sichtbare. Im Kontext des Verses 57:4 im Heiligen Quran heißt es darüber: „Er ist der Erste und der Letzte, der Sichtbare und der Verborgene, und Er ist der Wisser aller Dinge.“


Dennoch sollte das Potenzial des menschlichen Geistes und damit die bestmögliche Weiterentwicklung des Seins nicht beiseite geschoben und als kaum erreichbar relativiert werden. Es gibt Menschen, die es tatsächlich schaffen nach einer geistigen Entwicklung und dem Ǧihād [4] gegen ihr Nafs[5] sich von sich selbst und damit von jener Angst vor der (unsichtbaren und sichtbaren) Wirklichkeit zu befreien. Jene Menschen verlieren sich in Gott, sie haben keine Angst mehr vor jeder Art von Raum, Zeit und Körper. Sie sind zufrieden in der Zufriedenheit Gottes. Und sie versuchen erst gar nicht die Welt vollkommen zu bemessen, denn wie vermessen wäre es die Komplexität der Wirklichkeit auf Zahlen zu reduzieren und damit als solche zu ernennen? Die Vermessung der Welt ist es, die in der Tat vermessen ist.





[1] Vgl. Khalil Gibran: Der Prophet, Düsseldorf 2005. Siehe Kapitel „Von der Freiheit“

[2] Vgl. Hazrat Mirza Tahir Ahmad: Revelation, Rationality, Knowledge and Truth, London 1998. Siehe Kapitel „Individuum contra Gesellschaft“

[3] Vgl. In der englischen Koranübersetzung der Ahmadiyya Muslim Jamaat wird das arabische Wort Al-Khabīr mit „The Incomprehensible“ übersetzt. Vgl. auch Arabisch-Wörterbuch Lane, unter khabb.

[4] Arabisch für „große Anstrengung“


[5] Arabisch für „Selbst


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