Dienstag, 3. Juni 2014

Ein unschlagbares Angebot

„Ich habe da“, fing der Verbeamtete 
In einem kargem Dreiviertel-Hochhaus
Mit Sitzplätzen für jeden an zu erzählen,   
„Ein Angebot für Sie, das Sie“ und da drückte 
Jemand am Henkel „ nicht abschlagen kö-“
Wumms! Ein Satz reißt aus, ging die Tür auf,
Ein befristeter Bote brachte Post vorbei und
„Wo waren wir gleich? Ach genau, die Voraussetzungen!
Ich sags Ihnen, sie müssen sich keine Gedanken machen,
Ihr Einsatz reicht aus!“ Ich guckte ihn ein wenig stutzig
An, ich wusste noch nicht mal was ich wollte,
Aber schon was ich dafür brauchte, gut,
„Also gut“, sagte ich Ihm, „Und das ganz ohne Zusätze?“

Der Verbeamtete musste ein wenig
Zucken, vielleicht hatte er Ungeziefer
Im Gesicht „Natürlich, natürlich!
Alles ganz ohne Züsätze!“ das klang
Absolut Vertrauenswürdig, nach Zukunft,
„Was genau habe ich denn zu tun,
Wenn ich mit Ihnen zu tun habe?“
Sagte ich dann, um mich entscheiden
Zu können, denn das schien eine
Wirklich wichtige Sache, zu sein, für die ich mich
Entscheiden durfte, und nicht jeder
Durfte sich entscheiden,
 „Wir machen unsere Kunden -“
Und da hielt ich kurz meinen Atem an: „risikoärmer!“
„Risikoärmer?“ es war genial! „Und das ganz ohne Zusätze?“
„Ja, Risikoarmut in Zeiten totaler Risiken ist momentan
sehr gefragt “
„Und wie machen wir das genau?“ wollte ich neugierig
Wissen, ob des gewagten und brillanten Vorsatzes meines
Zukünftigen Arbeitgebers 
„ Ganz einfach. Wir setzen uns für die
Sicherheit von Anderen ein! Es gibt nur eine Bedingung…“
„Eine Bedingung?“
„Unsere Kunden müssen für uns arbeiten.“
„Das wars?“
„Das wars!“
„Das ist wirklich ein unschlagbares Angebot!“


Samstag, 10. Mai 2014

Verwandlung

Wenn du mir jenes 
Eine Herz so anvertraust
Wie diesen feinen Strauch
Kirschbaumblüten
Der zu mir geflogen kam

Der still vor meinen Füßen lag
Während der Wind tobte
Und die Äste gewaltsam zürnten

Wenn du es mir anvertraust
Während ich bereits fürchtete
Es würde in Strömen
Zu regnen beginnen
Obgleich es bloß leise nieselte

Wenn du mir jenes
Eine Herz so anvertraust
Wie seine gewaltigen Gebete
Die es sprach
Und seine geschärften Blicke
Die es sah
Und die Schritte eines Wanderers
In der Morgendämmerung
Die es beging
Wachsam und hell
Sanftmütig und stark

So kann ich es nicht annehmen

Sein Duft wäre zu lieblich
Sein Anblick zu erhaben
Sein Werden zu mächtig
Sein Dasein zu fremd

Ich müsste überlegen
Ob ich es behalten kann
Müsste überlegen
Ob es mich hemmt
Müsste überlegen
Ob mein Wasser genügt
Müsste überlegen
Ob ich selbst genüge

Wenn du mir aber jenes
Eine Herz 
So anvertraust
Als wäre es 
Mein Herz

Wenn du mir jenes
Eine Herz 
So anvertraust
Als würde ein Herz 
Mein Herz sein

Und ich denselben Atem spüre
Und dasselbe Klopfen fühle
Wie es zuvor gespürt

Wenn du mir jenes Herz
Zu meinem Herz werden lässt
Wenn du es mir gewährst
Eins zu sein mit jenem,
Dann, ja nur dann,
Möchte ich es annehmen

Dann möchte ich es nicht länger
Als ein Geschenk behandeln
Sondern als mein einzig Hab und Gut
Nicht mehr als Schatz allein
Sondern als Truhe, die um ihn ruht
Nicht als Anblick allein
Sondern als Auge,
Durch das es sieht und
Zu sehen besteht

Wenn du mir jenes Herz
So anvertraust, so bitte
Ich dich, O Allah:
Reinige mich, mich
Und dieses meine Herz,
Das du mir anvertraust


Dienstag, 22. April 2014

CAPITAL LETTERS

solange ich nicht Geld/ wie sonst was habe/ sondern Geld/ wie sonst auch/bleibt es dabei/ meine Letters bleiben umsonst/ Capital rules/ oder so ähnlich/ anderseits/ ists es euch lieber/ ich eröffne/ eine Fast-Mood-Kette/mit großen Gefühlen/ Gedichten statt Gerichten/ persönlich/ für mich und dich/ provoziert/ jeder Buchstabe/ Macht dich /ein bisschen besser/: CAPITAL/ ISS/ MUSS/ Sei ehrlich/ auch/ Ehrlichkeit & Tugend/ benutzt man inflationär/ SUPERIOR/ Im Gameboy/ der Emotionen/ hat der immer nette Hochstapler/ Hochkonjunktur / Warum sonst auch/ heißt Super Mario/ nicht einfach Mario/ ein Name allein/ reicht nicht/ Show und Tand/ wie Sand am Meer/ intrinsisch in sich/ ist kaum was mehr/ also lasst sie frei sein/ meine CAPITAL LETTERS/ lasst sie zu dem sprechen/ der sie nicht mehr hört/ der sich nicht mehr hören will /und kann/ 1/2/3/ MEINS/ AUS/ SCHLUSS / PASTA!


Sonntag, 6. April 2014

Das Klopfen an der Tür oder Gut, dass jemand größer ist als wir

Wenn ich Sie jetzt fragen sollte, was für Sie von allen Dingen auf der Welt am wichtigsten ist, was würden Sie antworten? Ich bin mir ziemlich sicher, die Antwort würde zu 99,99 % folgendermaßen ausfallen:  Menschen.  Irgendwelche Menschen, die Sie wertschätzen. Familienmitglieder, Freunde, Partner. Nachbarn. Sie wissen schon. Alles andere wäre gelogen. Selbst wenn Sie von materiellen Dingen sprechen, meinen Sie eigentlich etwas anderes. Sie meinen Anerkennung, Ansehen und Liebe. Und alles ist verknüpft mit Beziehungen. Sie sind ein soziales Wesen. Das ist so. Wäre es anders, würden Sie das hier nicht lesen.

Und wenn ich Sie jetzt frage, was die meisten Menschen, und Sie, an allen Religionen am meisten schätzen, dann würde auch hier eine Antwort mit großer Wahrscheinlichkeit alle anderen überbieten: Der ethische Kern jeder Religion, die Etablierung von Moral und Tugend, von universeller Liebe und Frieden. Alles aufgrund der Beziehung zu Gott. 

Zwei Antworten. Also sind wir uns einig. 

Worüber wir uns uneinig sind: Das soziale Wesen und sein asoziales Verhalten. Sie und Ihr Schatten. Kain und Abel. Alles auf Anfang.
  
Jetzt stellen Sie sich vor, Sie sind unschuldig wie ein Kind. Sie wissen nichts von irgendwelchen Kriegen und Gewalt im Namen Gottes. Nichts, von der Legitimation frauenverachtender Traditionen, von Fanatismus und Ausgrenzung Andersgläubiger oder Nichtgläubiger. Sie verstehen nichts vom Theater der Politik hinter dem Vorhang kühl berechneter Machtspielchen. Sie verstehen nichts von Zurschaustellung und Selbstbetrug, von Doppelmoral und Heuchelei. Von Arroganz, Missvertrauen und Weißglut.

Sie sitzen jetzt gerade auf einem weißen Ledersessel, in Ihrer linken Hand ein Buch von Jostein Gaarder „Sofies Welt“ und in Ihrer rechten Hand „Der Heilige Quran“.

Sie dürfen die erste Entscheidung treffen. Nein, Sie müssen die erste Entscheidung treffen. Sonst wären Sie nicht hier.

A.) Sie lesen die ersten Zeilen von Sofies Welt.
B-) Sie lesen die erste Sure des Heiligen Quran.
C.) Sie lesen beides.

Wenn Sie sich für A.) entschieden haben, lesen Sie das hier:

„Sofie Amundsen war auf dem Heimweg von der Schule. Das erste Stück war sie mit Jorunn zusammen gegangen. Sie hatten sich über Computer unterhalten. Jorunn hielt das menschliche Gehirn für einen komplizierten Computer. Sofie war sich nicht sicher, ob sie da zustimmte. Ein Mensch mußte doch mehr sein als eine Maschine?“

Wenn Sie sich für B.) entschieden haben, lesen Sie das hier: 

„IM NAMEN ALLAHS, DES GNÄDIGEN, DES BARMHERZIGEN. 
ALLER PREIS GEBÜHRT ALLAH.
DEM HERRN DER WELTEN. 
DEM GNÄDIGEN. 
DEM BARMHERZIGEN. 
DEM MEISTER DES GERICHTSTAGES. 
DIR ALLEIN DIENEN WIR UND ZU DIR ALLEIN FLEHEN WIR UM HILFE. 
FÜHRE UNS AUF DEN GERADEN WEG.
DEN WEG DERER, DENEN DU GNADE ERWIESEN HAST.
DIE NICHT DEIN MISSFALLEN ERREGT HABEN UND DIE NICHT IRREGEGANGEN SIND.“

Sie haben also C) genommen. In Ihnen ist irgendetwas passiert. Was auch immer es ist, Sie dürfen aufatmen. Es folgt die zweite Entscheidung. Ja, Sie dürfen die zweite Entscheidung treffen. Jemand gegenüber von Ihnen möchte wissen, was Sie sein wollen. Sie haben zwei Wahlmöglichkeiten.

Entweder 
  
1.) Ein Computer

 Oder
     2.) Ein Mensch

Sie sind sich nicht sicher, was das Ganze soll. Also beantworten Sie die Frage lieber nicht. Vielleicht sind Sie überfordert, so etwas mag vorkommen.

Sie bleiben also sitzen. Es klopft an der Tür. 

Tock. Tock. 
Leise oder laut, egal wie eindringlich. Auf jeden Fall können Sie es nicht überhören. Dafür sitzen Sie zu nah dran.


Sie wissen nicht wer es ist und sind angespannt. Sie wissen nicht was Sie erwartet- Sie sind hin- und hergerissen, hin-und her, zwischen Neugier und Angst. Das ist gut so. Sie sind wohl doch kein Computer.

Sie zählen bis drei.
Sie haben die Freiheit.
Sie hatten schon immer die Freiheit, auch wenn die Freiheit manchmal kleiner schien als die Tür.
Aber sie war nie vollkommen verschwunden. Also.


Entweder Sie öffnen die Tür und lassen sich überraschen.
Oder Sie lassen die Tür zu.


Wenn Sie die Türe öffnen, kann es sein, dass Sie erschrecken.
Nein, ganz sicher sogar. Sie werden erschrecken.

Er ist größer und stärker, schöner und reicher, mächtiger und reiner, als alles was Sie gesehen haben.Gewaltiger, erhabener und heller. 
So hell, dass es weh tut.
So echt, dass Sie weinen müssen. 
So groß, dass Sie zittern.
Er ist einfach wunder, wunder, wunderschön.


Sie lassen die Tür zu.

Was ist, wenn Sie feststellen müssen, dass alles, ja absolut alles, und jeder Mensch, den Sie lieben, jede
Sache, die Sie prägt, von diesem Einen kommt? Diesem Einen, der hinter dieser Tür steht? 
Das alles zu diesem Einen geht?
Das alles von diesem Einen abhängt?
Das alles durch diesen Einen Frieden findet?


Würden Sie dann diese eine Tür öffnen?
Auch wenn es Ihr ganzes Leben verändern würde?


Ich glaube zu wissen, was Sie tun könnten.

Entweder Sie stehen auf und öffnen die Tür. Sie öffnen die Tür, wie ein verehrender Diener, ein absolut
Hingerissener. Öffnen die Tür, wie ein Wahrhaftiger die Tür öffnet, und denken nicht eine Sekunde
daran, die Augen zu schließen.


Oder Sie bleiben sitzen.
Bleiben sitzen, schließen die Augen und wünschten sich, Sie würden nie darüber nachgedacht haben,
warum Sie hier eigentlich sitzen.

Wünschten sich, das Klopfen der Türe vom Herzen zu trennen. Wünschten sich, ein Abbild zu sein,
bedeute, ein Urbild zu werden. Aber Sie können sich das wünschen solange Sie wollen.
Sie werden es erst wissen, wenn Sie es wirklich erlebt haben.
Und Sie werden es erst erleben, wenn Sie wirklich vor Ihm stehen.
Alles andere ist reine Fiktion.
Alles andere ist absolut tot.


Hör auf deinen Schlaf zu kalkulieren.
Hör auf deine Vieren zu verbreiten.
Hör auf deinen Feind zu eliminieren.

Du bist kein Computer, mein Lieber.


Es gibt immer etwas, das größer ist als wir.

Trau dich. 



Mittwoch, 26. März 2014

方寸饼干 –Herzkeks

Es ist wirklich wahr
Du hast mir heute
Dein Herz verschenkt

Wenn ein kleiner Keks
Mehr sagt als 1000 Worte
Und der ältere Sitznachbar
Mehr sagt, als er sollte

Und wenn die Bibliothek
Auf den Bauch schlägt
Wie das bittere Stück Sahnetorte

Dann bitte Chen, stell keine Fragen,
Vergiss Plantinga und Dewey
Und den Wahnsinn und die Plagen,

Lass uns zusammen Koffer packen
Einfach weg von hier, und für paar Wochen
Ab nach Shanghai, ganz wie besprochen
 
Warum schließlich hier verrotten
Wenn man, wie der Heilige Prophet,
Lehrte, bis nach China reisen sollte,
Für das Wissen, echt und ungesotten?

Bereits die Reise macht uns schlauer 
Denn sie macht uns älter und macht kindlich
Denn sie macht uns weiser und unendlich

Worauf also willst du warten?
Die vielen Wolken sind bereit
Sie vermissen dich bereits, dich,
Und dein ansteckendes Lachen :)



Montag, 24. Februar 2014

Genügsam

Wer mit sich im Reinen ist 
Braucht sich nicht zu fürchten
Wer mit sich im Reinen ist
Sucht Zuflucht im Gebet


Wer mit sich im Reinen ist
Leugnet nicht die Zeichen
Wer mit sich im Reinen ist
Spricht aus, was er versteht


Wer mit sich im Reinen ist
Bereut nicht das Gerede
Wer mit sich im Reinen ist
Beredet was geschieht


Wer mit sich im Reinen ist
Bittet um Verzeihung
Wer mit sich im Reinen ist
Für Fehler, die er nicht sieht


Wer mit sich im Reinen ist
Reist für die Reinheit Meilen
Wer mit sich im Reinen ist
Bleibt so vor Gott bestehen


Montag, 3. Februar 2014

Ungläubig

Du siehst aber nicht
Collage by Al-Hub
Aus wie ein Muslim!
Stutzte der Konvertit
Ungläubig
Eine westliche Hose
Ein westliches Hemd
Eine unfestliche Weste
Und ein unsteter Trend
Über Haupt und Bart
Und das restliche Haar
Imitierend ungekämmt
Exegetisch ungehemmt 
Ich bin ein richtiger Muslim 
Sollte das eigentlich heißen
Dachte er und übersetzte
Für sich tückisch leise
Und du bist entweder
Unrichtig oder urrichtig
Falsch oder zumindest eine
Böse Version von Musils
Muselmann ohne Eigen-
Schaften, der Echtheit zu
Fremd oder des Ursprungs
Zu alt
Du siehst nicht aus wie war
Um es politisch zu deuten
Nichts andres als der erste Teil
Eines Psychogramms
Der Urgesellschaft
Du sagst, du siehst nicht aus,
Und siehst dich selbst 
Dabei an; du oder man 
Sieht es dir an
Wie sollte denn ein Muslim
Aussehen? sagte er dann doch laut
Und damit in anderen Worten
Schnurstracksgeraderaus
Wie siehst du denn aus?
Das Gegenüber war irritiert
Aber nicht dumm
Es blieb zunächst ruhig
Und drehte sich dann um
Schrieb die Antwort auf
Ein Blatt Papier in seinem
Eigenen Arabisch, das keiner
Verstand, außer vielleicht
Musil und sein Muselmann:
Jede Gesellschaft
Bekommt die Fragen
Die es verdient
Wir können uns
Selbst nicht ansehen
Wenn wir nicht 
Aussprechen können
Was wir in uns sehen
Und können selbst
Nicht in uns sehen
Was wir sind
Wenn wir 
Unsere eigenen 
Schriften 
Nicht verstehen
 



Sonntag, 12. Januar 2014

Mipster Me!



Collage by Al-Hub

Huch!
Hab gehört
Du hast das Tuch
Auf dem Kopf
Salonfähig gemacht und
Das Beste aus der
Saison als Päckchen 
(K)Leidkultur 
Bei Urban Out-
Fitters bestellt und damit
Den Islam für In in Insta-
Gram erwogen und die ganze
Komplizierte Lehre mit Samt
Getauscht, geleert und zu-
Geschnürt
Statt underpressure
Jetzt under control
Statt undermine
Jetzt underweight
Normative Orders
Statt Uniform

Mipster Me!

Nimm dICH selbst
Nicht allzu wICHtig
Hören wir es nun
Ohne Grund im Under-
Ground ertönen (Re-)
Mind the Gap 
Zwischen East und West
Ironie als Muskelmaske als
Abbild deiner Selbst

Mipster Me!

Du funktionierst jetzt sogar
Hundert Mark besser als davor
Wenn dein Cardigan
Dann bisschen nach Rauch stinkt
Und Hollister dich irgendwie
Als Model engagiert
Hast du es endlich geschafft

Du bist in Germoney
Angekommen! Und
Was das Beste daran ist:
Du brauchst dich nicht mehr
Vom Fleck zu bewegen 
Wurde bereits alles
Vom Feinsten arrangiert

Auch keine Symbolpolitik mehr
Auf der Vermisst-Plakataktion
Des Innenministerium
Heißt es nämlich jetzt alternativ 
Missed: an undercover terrorist 
Nächste Zeile
Called herself a Mipster


Willentlich

Ich kann nichts festhalten
Ohne das Klirren
Des zu Boden gefallenen zu fürchten

Ich kann nicht Ich sein
Ohne dich in mir
Werdend gesehen zu haben

Ich kann nicht in mir lassen
Ohne den prüfenden Blick
Des Verlassenen zu kennen

Ich kann nicht aus mir heraus
Ohne in fiebriger Ehrfurcht
Des Verliebten zu verharren

Ich kann nicht geduldig sein
Ohne die Worte eines
Wärmend Reinen zu erwarten

Ich kann nicht milde sein
Ohne für mich selbst 
Strenge walten zu lassen

Ich kann die Nacht nicht heilen
Ohne die Schmerzen
Des Vermögens zu erahnen



Copyright Al-Hub

Montag, 16. Dezember 2013

German Schlagabtausch

Der Prüfer schweigt während der Prüfung seines Prüflings. Herauszufinden, was er prüft und wie er spricht, schadet aber nicht.

Man konnte seine Wirkung nie gänzlich verfehlen. Es mag massig Missverständnisse geben auf dieser weiten Hemisphäre, vier Botschaften einer Nachricht und lauter Nonsens, kleinkarierte Cartoons im Großformat und liebevolle verhunzte Versionen einer Vision. Aber der ursprünglich beabsichtigte Sinn und Zweck bleibt selten völlig verborgen. Also lässt du nichts unversucht. Selbst wenn dir die Personifizierung der Ignoranz selbst den Rücken kehrt, du würdest weiter so fortfahren wie zuletzt. Du würdest ihr begegnen und ihr direkt und unverfangen in die Augen schauen. Es ist ein Ausdruck ihrer Identität, dass sie dich leugnet. Sie wies wie immer deinen Blick ab, sah weg. Aber das war dir egal. Du würdest nicht wegschauen. Ganz im Gegenteil: noch inniger, noch dreister, noch konzentrierter. Geradeaus, straightforward. Beinahe stur. Vielleicht penetrant. 

Nur...was sollte es schon ändern, würde sie dich kurz anschauen? Wenn sie nicht hinsehen möchte, lass sie einfach sein, lass sie, wie sie ist- Selbstgefällig im Alleingang. Lüge bleibt Lüge, auch wenn man ihr die Schlagader durchtrennt.  

Und doch konnte sie es nicht. Ihren eigenen kühlen Atem spüren und das mechanische Herzklopfen der Anderen, die Unruhe im Nachbarn und den Frieden in ihr. Wie könnte sie das tun? Nicht hinzuschauen, nur weil der Andere wegschaute? Du kannst deine Wirkung nicht gänzlich voraussehen, Ignoranz. Es gibt immer etwas größeres, das hinter dir steht. Nicht zu fragen, weil der Andere nicht antwortete, nichts anzubieten, weil der Andere zu stolz war, es anzunehmen. Das hieße: nicht zu lieben, weil der Andere deine Liebe nicht erwidert. Aber du kannst mir nicht verbieten dich zu lieben. Du kannst mir nicht verbieten dich anzureden, selbst wenn es dir missfällt. Mach was du willst, schlag mir ins Gesicht. Es gibt immer einen Schlag, der dich selbst stärker verletzen wird, als deinen Gegner. Response needs no response. But no response needs response. Wahrheit bleibt Wahrheit, auch wenn man ihr die Schlagader durchtrennt. Du möchtest ihre Augen treffen. Möchtest das durchdringen, was für immer den Rückzug angekündigt hat? Was war das für ein Blick in dir? Muss da nicht einiges schief gelaufen sein, dass diese Nähe bedrohlicher zu sein scheint, als der Anblick eines verruchten Banditen? Und sogar dieser wird nicht bloß gemieden, sondern gejagt und verhört. 

Identität ist nicht nur das, was jetzt ist. Identität ist nicht aktual. Du bist heute, auch morgen- Das was du sein kannst. Du bleibst du, auch wenn du alt wirst. Das Potenzial deines Wesens kannst du nicht kennen. Du darfst es nicht kennen. Sonst würdest du erschrecken.

Sie war bestimmt unglaublich dreist und absolut weltfremd. Unglaublich naiv und total besessen. Aber eines war ihr klar. Wenn auch zu viel Nähe Angst machen kann - keine Nähe macht Lügen.

 
Copyright Al-Hub

Montag, 2. Dezember 2013

ZwischendenZeilen

Zwischen den Zeilen
Heißt einen Vers auszuhalten

Und dort weiter zu lesen
Wo andere aufhören

Zwischen den Zeilen
Heißt hinzuschauen
Und sich bemerkbar machen
Wenn alle anderen
Schlafen
Sich aufzurichten
Wenn alle anderen stehen

Zwischen den Zeilen
Heißt auf sanften Sohlen
Die Treppe zu besichtigen
Die unbetreten
Um sie dann vielleicht wieder
Zu verlassen

Zwischen den Zeilen
Heißt das zu spüren
Was zwischen uns steht
Den dritten Raum zu denken
Den dritten Bruder zu sehen
Eine Ebene
Zu kommunizieren 
Sich nicht auszunehmen
Das Genommene selbst 
Zu
Sein zusammen 

Zwischen den Zeilen
Heißt das Ungesagte hören
Im Gesagtem
Das Unbedachte im
Bedachten 
Ein weißes Zelt

Zwischen den Zeilen
Heißt nicht immer
Aber an diesen Tagen
Stehen zu bleiben
Um sich umzublicken
Nichtdazuzugehören
Nichtzuzuhören
Wenn alle reden
Im Keim zu ersticken

Zwischen den Zeilen
Heißt manchmal
Aber an den meisten Tagen
Nichts zu schreiben
Um alles zu sagen
Seinen Schal zu tragen
Um nach Ihm zu duften 
Zwischen den Zeilen
Ist nichts geringeres
Als die Vereinigung
Mit diesen
Wenn man sie liest
Dann
Wenn man sie nicht
Mehr überlesen 
Kann