Sonntag, 10. März 2013

Habe gestern ein interessantes Interview gelesen, das ich niemandem vorenthalten möchte:



Quelle Nw-news
Reform-Muslima setzt auf Emanzipation durch Islam
Nida Gondal im Interview über Frauenrechte im Koran

Bielefeld. Der Islam, eine patriarchalische Religion mit veralteten Rollenvorstellungen für die Frau? Darüber sprach Nida Gondal vom Verein "Ahmadiyya Muslim Jamaat", einer muslimischen Reform-Bewegung, mit Redakteur Ansgar Mönter.


Frau Gondal, die Stellung der Frau in den rund 50 Ländern der Erde mit muslimischer Mehrheit sieht eher düster aus, oder?
NIDA GONDAL: Ja, das stimmt zwar einerseits, aber das war bis vor ein paar Jahrzehnten hier auch nicht viel anders. Und das hat aber auch viel mit den Länderkulturen zu tun, weniger mit dem Islam. Es ist ein großes Missverständnis, dass Frauen im Islam nur unterdrückt, ungebildet, unterlegen und unselbstständig sind.


Aber oftmals sieht es genauso aus in den Gesellschaften von Marokko bis Indonesien. Die Stellung der Frau wird in der Regel mit der Religion begründet.


GONDAL: Das hat viel mit mangelnder Bildung zu tun. Wer das Alphabet nicht kann, kann auch den Koran und Überlieferungen nicht lesen und muss glauben, was der Vorbeter oder die Männer darüber erzählen.

Im Koran sind Suren und Verse zu finden, die eine Unterdrückung der Frau rechtfertigen.
GONDAL: Das ist ein Missverständnis. Der Islam garantiert jegliche Rechte für Frauen. Man muss die Koranverse im Kontext der Zeit interpretieren. Sie sind an einem Ort – Arabien – zu einer Zeit entstanden, als Frauen überhaupt keine Rechte hatten und Gewalt gegen sie normal war. Der Mann durfte machen, was er wollte. Erst mit Mohammed, Friede sei auf ihm, hat sich das geändert.

Im Koran steht, dass der Mann die Frau schlagen darf.
GONDAL: Es gibt keine Koranverse, die zur aktiven Gewalt gegen Frauen einladen. Hingegen gibt es zahlreiche Verse, die die Frauen eher begünstigen. Vieles wird außerdem bei der Übersetzung falsch interpretiert. Wenn es im Koran einerseits Verse gibt, die betonen, dass das Ziel einer Ehe das Erlangen von "Frieden" sein soll und die Beziehung von "Liebe und Zärtlichkeit" geprägt sein soll, wie kann dann im selben Koran andererseits das Schlagen von Frauen angeordnet werden? Das vermeintliche "Schlagen" zum Beispiel bedeutet im Original eher ermahnen oder strafen und impliziert keineswegs physische Gewaltanwendung. Und wenn es so interpretiert wird, dass die Männer über den Frauen stehen würden, dann heißt das tatsächlich, dass sie die Verantwortung haben, für die Frauen zu sorgen. Dennoch wird der Koran herangezogen, um das Weibliche zu unterdrücken.


GONDAL: Aber dafür kann die Lehre des Islams nichts. Frauenunterdrückung lässt sich mit dem Islam überhaupt nicht rechtfertigen. Sie würden es auch dem Grundgesetz nicht anlasten, wenn Menschen deren Regeln brechen.

Welche Texte geben Ihrer Meinung nach das Frauenbild im Islam wirklich wieder?
GONDAL: Dazu muss man sich unter anderem auch das Leben des Propheten anschauen. Seine Frauen waren alle Gelehrte, zu denen auch Männer kamen. Und Frauen werden im Koran als beispielhafte Gläubige dargestellt wie die Mutter von Moses und die Mutter von Jesus. Den Frauen zu dienen, heißt es, öffne die Tore zum Paradies. So zum Beispiel heißt es in einer Überlieferung, dass das Paradies unter den Füßen der Mutter liegt oder dass der Beste unter den Gläubigen derjenige ist, der seine Frau am besten behandelt.

Klingt schön, steht aber irgendwie im Widerspruch zu den zornigen muslimischen Männern auf der Welt, die das Bild des Islams prägen, und zu den verbreiteten traditionellen Rollenverständnissen.
GONDAL: Das Bild wird auch sehr über die Medien verbreitet. "Machogehabe" passt überhaupt nicht zum Islam. Diese Männer würden sich wundern, was der Prophet Mohammed, Friede sei auf ihm, in seiner Freizeit gemacht hat. Er half im Haushalt, er sprach mit seinen Frauen, er hörte auf sie.

Und er hat den Frauen die Verschleierung gebracht.
GONDAL: Immer heißt es, die Frauen würden dazu gezwungen. Das stimmt so nicht. Ich trage es freiwillig und aus religiöser Überzeugung. Es hat schließlich eine Funktion. Es soll uns als Muslima kenntlich machen, uns schützen und eine reizfreie Gesellschaft schaffen.

Die Frau muss sich verhüllen, damit der Mann nicht in Versuchung gerät. Das ist doch alles andere als Gleichberechtigung.
GONDAL: Auch der Mann hat Kleidungs- und Verhaltensvorschriften. Er soll den Blick zu Boden werfen, wenn er eine fremde Frau trifft. Und er sollte einen Bart tragen.

Nach freiem und natürlichem Austausch zwischen Mann und Frau hört sich das nicht an. Eher nach Vermeidung von Kontakt.
GONDAL: Es geht darum, dass die Frau geschützt wird vor Belästigungen und der Mann lernt, die Frau so zu respektieren, wie sie wirklich ist und sie nicht auf die äußerlichen Reize reduziert. Das ist doch etwas, was gerade heute häufig geschieht: Die Frau wird vermarktet als Objekt. Der Austausch findet mit Kopftuch genauso gut statt und ist keine Behinderung.

Und wo hört die Verschleierungsvorschrift auf? Beim Kopftuch, beim Tschador oder der Burka?
GONDAL: Es ist ein Gebot für muslimische Frauen, die sich bewusst für den Islam entschieden haben und sich mit der Philosophie des Kopftuchs auseinander gesetzt haben. Eine Frau, komplett verhüllt unter einem schwarzen Tuch, finde ich auch seltsam. Das ist meines Erachtens zu viel und nicht gedeckt mit dem Islam. Aber wenn sie es freiwillig tut, ist es ihre Sache. Das Kopftuch sowie die Kleidervorschriften sind Wegweiser Gottes. Sie befreien also eher Mann und Frau und sind so ein Akt der Emanzipation. 


Info / Zur Person: Nida Gondal ist 23 Jahre alt, hat pakistanische Eltern und ist in Deutschland geboren. Sie gehört der Frauenorganisation "Lajna Imaillah" der muslimischen Reformbewegung "Ahmadiyya Muslim Jamaat" an. Gondal studiert an der Universität Bielefeld Englisch und Geschichte auf Lehramt. Sie will Lehrerin werden. Nida Gondal wird für diesen Beruf zwangsweise ihr Kopftuch ablegen, weil das Vorschrift ist. Allerdings sei das so, sagt sie, "als ob ich einen Teil von mir ablegen muss. Das widerspricht meinem Verständnis von Freiheit."

      
Quelle: http://www.nw-news.de/owl/bielefeld/mitte/mitte/8058848_Reform-Muslima_setzt_auf_Emanzipation_durch_Islam.html




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